HP verschiebt Itanium zu Intel – und auf die Überholspur

CloudEnterpriseServer

Der oft totgesagte Itanium, er lebe hoch. Zumindest wenn es nach HP und Intel und Microsoft geht. Die Kunden sollen demnächst sogar mehr Anwendungen erhalten.

Der Itanium bleibt. Entgegen anderslautenden Berichten vom Tod des Itanium will Hewlett-Packard (HP) sein Engagement für die zusammen mit Intel entwickelte Chip-Architektur sogar noch stärker als bisher betreiben. Nur die bislang nahezu zehn Jahre lang verteilte Arbeit soll aufhören und jeder soll sich auf seine Stärken besinnen: Intel auf die Chip-Herstellung und HP auf den Bau von Servern und der dazugehörigen Software.
Das gemeinsame Projekt war vor etwa zehn Jahren ins Leben gerufen worden. HP brachte eine eigene RISC-basierte (Reduced Instruction Set Computing) Prozessor-Architektur ein, die ‘Precision Architecture’, Intel das Know-how in Sachen Halbleiter. Basierend auf Intels Marktmacht sollte Itanium der dominierende High-Performance-Prozessor werden. Doch es kam anders: Die Verbreitung von x86-basierten Servern auch für anspruchsvolle Aufgaben – wegen der geringeren Hardware-Kosten und weil Linux als Betriebssystem dafür geeignet war  – machte dem Itanium das Leben schwer. Immer weniger Softwarehersteller erklärten sich bereit, mit ihrer Software auch die Itanium-Plattform zu unterstützen, vom Ende des Prozessors war die Rede.

Doch HP und Intel wollen es noch mal wissen. Wie ein HP-Unternehmenssprecher gegenüber silicon.de durchblicken ließ, ist die Itanium-Architektur sogar auf lange Sicht die einzige Chip-Architektur, die HP wirklich am Herzen liege. Dem steht gegenüber, dass HP zwar eigenen Mitteilungen zufolge 3 Milliarden Dollar in die Entwicklung von Itanium-basierten Severn und Software-Produkten stecken will – das eigene Design-Team für den Prozessor aber komplett an Intel abgibt. Und die Itanium-basierten Integrity-Server von HP sollen dem Markt ihren eigenen Stempel aufdrücken.

Das stellt sich der Konzern so vor, dass der Itanium jetzt von Intel schneller in greifbare Chips umgesetzt werden kann. “Der Itanium ist und bleibt unser strategischer Prozessor”, sagt der Unternehmenssprecher. Alle anderen Prozessoren sollen demnach der weiterhin geltenden Roadmap zufolge in Itanium aufgehen oder eingestellt werden. Die Auslagerung der 300 Mann starken Entwicklergruppe in Fort Collins, Colorado, sei zu verschmerzen. Schließlich werde die Arbeit nun nur noch verzahnter weitergehen. Die Annahme, Intel und HP würden weniger mit dem Itanium vorhaben, als bisher, bezeichnete er als grundfalsch.

Manager beider Unternehmen verwiesen auf eine gemeinsame Roadmap für die Itanium-Entwicklung. Binnen drei Jahren will HP jetzt mehr Software und Plattformen Itanium-fähig machen und braucht dafür die erwähnten Milliarden. Schließlich soll sich die Server-Reihe ‘Integrity’ ja verkaufen. Vor allem im Forschungsbereich, in hochperformanten Umgebungen, beim Mainframe-Replacement und dem Ersetzen von Servern des Erzrivalen Sun. Multi-threading-fähige Mehrfachkern-Chips sollen bei HP an Stellenwert sogar noch zunehmen. Bis Ende 2005 plant der Konzern, dass die Itanium-Server vom Umsatz her bis auf die Hälfte dessen angewachsen sein sollen, was HP derzeit in der gesamten Abteilung für geschäftskritische Server umsetzt. Ende 2006 sollen die genannten Server dann 70 Prozent davon ausmachen.

Carly Fiorina, CEO von HP: “Da HP und Intel weiterhin in Server-Innovation und in den Itanium investieren, werden Integrity-Server nun zum ‘Must-Have’, zur wettbewerbsentscheidenden Waffe für die Wertschöpfung beim Kunden für die nächsten zehn Jahre und darüber hinaus.” Zusammen mit Intel werde HP den Itanium und die Integrity-Server als die Server-Plattform der ersten Wahl für die Aufgabenabläufe positionieren, die dem Kunden am drängendsten unter den Nägeln brennen.

Auch Steve Ballmer, CEO von Microsoft, sagte jetzt angesichts der Investitionen und des festen Commitments der beiden Itanium-Treiber die volle Unterstützung seiner Produkte für Itanium-2-basierte Integrity-Server zu. Das gelte für die Produktfamilien rund um den Windows Server 2003 wie auch für den SQL Server. Von HPs Seite aus gibt es derzeit einer Mitteilung zufolge ein so genanntes Ökosystem von 2900 Applikationen. Dies soll im Laufe des nächsten Jahres auf 4500 anwachsen – was einen Teil der großzügigen Forschungsgelder verschlingen dürfte. Dazu gehört auch ein für Itanium-Architekturen angepasstes OpenVMS, das für nächsten Monat als Beta angedacht ist.

Der Hauptteil der Aufmerksamkeit geht nun dahin, ein komplettes Portfolio von Applikationsumgebungen zu bauen, die in den Schlüsselmärkten für Aufgaben wie Business Intelligence und ähnliches gebraucht werden. Diese Schlüsselbranchen sind laut HP: TK-Unternehmen, Finanzdienstleistung, Regierungsorganisationen, Gesundheitswesen und Produktion.