Vom Techniker zum Regisseur – der CIO 2005

Management

Das Marktforschungsinstitut Gartner sieht für nächstes Jahr steigende IT-Budgets, doch das macht die Arbeit des CIO nicht einfacher.

Der Druck auf IT-Manager wächst und er wird auch 2005 an allen Seiten stärker. Wenn der CIO alle Anforderungen umsetzen kann, dann ist er ein Superman, scheitert er, so zerreibt er sich wie Don Quijote im Kampf gegen Windmühlen. Mit diesem Bild illustriert der Gartner-Analyst und Resarch Vice President Frank Buytendijk, die Situation des IT-Leiters gegenüber den derzeitigen Veränderungen und den Anforderungen der Zukunft.
Das Jahr 2005 werde von einem moderaten Wachstum gekennzeichnet sein. Gartner geht von einer Steigerung der IT-Budgets von etwa 3,5 Prozent aus. Daher auch der Aufruf: “Schreiten Sie 2005 voran – wiederholen Sie nicht das Jahr 2002.” Gartner spielt damit auf den Stillstand an Investitionen im Jahr 2002 an. “In vielen IT-Budgets werden 90 Prozent für den laufenden Betrieb ausgegeben”, weiß Mark Raskino, Research Director von Gartner, nur 10 Prozent auf Innovation. Dabei seien Unternehmen am besten aufgestellt, die sich ein Verhältnis von 60 zu 40 Prozent leisten könnten. Im industrieweiten Durchschnitt seien es rund 85 Prozent, die für die Aufrechterhaltung der Strukturen ausgegeben werden.

Dass sich der CIO in einem komplexen Umfeld zurechtfinden muss, ist schon seit Jahren keine Neuigkeit mehr, “und doch ändert sich der Leadership-Focus”, erklärt Buytendijk. “Der CIO ist nicht mehr der Chef, der alles selber macht”, weiß der Analyst und rät, dass IT-Leiter künftig ihre Rolle eher im Sinne eines Regisseurs begreifen sollten. Vor allem auf die Einbindung von externen oder internen Partnern sollte geachtet werden. Und dazu sei es auch nötig, die richtigen Voraussetzungen im Hause zu schaffen. “Architektur ist das wichtigste, wie wir ja auch eine gemeinsame Sprache sprechen müssen, um zusammen zu arbeiten”, erläutert Buytendijk. Diese Architektur sollte zudem skalierbar sein, um schnell und umkompliziert neue Anwendungen installieren zu können.

Hier kennt Raskino eine Möglichkeit: “Bekämpfen Sie komplexe Strukturen.” So sei es zum Beispiel ratsam, sich auf eine gewisse Zahl externer Partner zu beschränken, erklärt der Analyst. Zudem sollte für diese Zusammenarbeit das entsprechende Maß an Kommunikation sichergestellt werden. Auch bei internen Aufgaben sei darauf zu achten, dass es bei Anwendungen keinen Wildwuchs gibt. In vielen Unternehmen werden in Konsolidierungsprojekten bereits komplexe Strukturen abgebaut. Doch er warnt davor, auch an die Adresse von Microsoft-Anwendern, hier über das Ziel hinauszuschießen: “Es ist eine Sünde, sich auf einen einzigen Händler zu verlassen.”

Die Marktbeobachter von Gartner sehen seit einigen Jahren eine Auflösung der Grenzen zwischen Business und Technologie, und dementsprechend formulieren sie eine der vier Hauptherausforderungen für den CIO. Diese lautet, dass er sich mehr mit Geschäftsprozessen auseinandersetzen soll. Vor allem sollte sich der IT-Leiter klar machen, in welcher Branche er tätig sei und über welche besonderen Fähigkeiten sein Unternehmen verfügt.

Fairerweise würde innerhalb der Unternehmen nicht nur von IT-Leitern “artfremdes” Know-how gefordert. Auch Mitarbeiter, die eher für das Kaufmännische zuständig sind, sollen etwa 15 Prozent ihrer Zeit für IT-Themen aufwenden. Auch sie müssen in der Lage sein zu erklären, was eine SOA (Service Oriented Architecture) ist. Wenn auch die Frage, welche Technologie im Unternehmen einzusetzen ist, mehr und mehr an Bedeutung verliere, so Buytendijk, haben technische Voraussetzungen dennoch großen Einfluss auf die Anforderungen im jeweiligen Geschäftsfeld. Glückt die Vernunftehe, so könnten Unternehmen, die ihre Geschäftsprozesse mit den Strukturen der IT abgleichen, bis 2009 rund 15 Prozent mehr leisten als andere, prognostiziert Gartner.

Hier lässt sich auch die zweite Herausforderung für den CIO festmachen: Welche ist die richtige Sourcing-Strategie? Zusammen mit den Business-Entscheidern und mit der Personalabteilung müsse dann geprüft werden: Was ist nötig, was ist möglich, und schließlich mit welchen Partnern könnte es realisiert werden? Und das sei auch die Stelle, an der sich der CIO nach Meinung der Marktforscher der dritten und vierten Herausforderung stellen muss: Welchen Wertbeitrag leistet die IT? Und ist die Infrastruktur auch in Zukunft in der Lage, der steigenden Komplexität und den Veränderungen Herr zu werden?

Im letzten Fall aber raten die Gartner-Analysten den CIOs, sich von ausgefeilten Plänen für das nächste Jahr zu verabschieden. Die Hälfte der getroffenen Angaben würden ohnehin nicht eintreten, berichtet Raskino. Er rät stattdessen dazu, verschiedene Szenarien zu entwickeln, um auf Entwicklungen und Ereignisse flexibel reagieren zu können. Ein Beispiel seien Vorgaben des Gesetzgebers wie etwa die Sarbanes-Oxley- oder die Basel-II-Richtlinien. Hier sollte der CIO seine Chance wahrnehmen, Veränderungen selbst zu gestalten, um auch andere Neuerungen in der IT-Infrastruktur voranzutreiben. Sind diese dann umgesetzt, so ermuntert Gartner die CIOs dazu, bessere PR für sich selbst zu machen – nach dem Motto “Tue Gutes und rede darüber”.

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