Einheitlicher TU-Abschluss wirft Dipl.-Ing. auf den Kehricht

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Jetzt ist es amtlich mit der Vereinheitlichung der Ingenieurswissenschaften in Deutschland als Master und Bachelor.

Jetzt ist es amtlich: Mit der Vereinheitlichung der Ingenieurswissenschaften in Deutschland als Master und Bachelor haben die Kritiker des so genannten ‘Bologna-Modells’ an deutschen Unis zunächst einen Rückschlag erlitten. Jetzt haben die großen Neun (“TU9”), also: RWTH Aachen, TU Berlin, TU Braunschweig, TU Darmstadt, TU Dresden, Uni Hannover, Uni Karlsruhe, TU München und die Uni Stuttgart die gegenseitige Anerkennung ihrer Bachelor- und Master-Abschlüsse vereinbart und sich über den Master als Regelabschluss für Wissenschaft und Wirtschaft verständigt.
Josef Nossek vom Lehrstuhl für Netzwerktheorie und Signalverarbeitung an der TU München kritisierte noch im Frühjahr die Neuorientierung “nach Modewörtern”. Für Nossek ist die Bologna-Uni, benannt nach dem Ort der Zusammenkunft der europäischen Bildungsminister, mit einer verpflichtenden Ausbildung nach Bachelor oder Master ohne durchgehenden Bildungsweg “sehr einseitig und allein deshalb nicht zeitgemäß”. Unabhängig von der Studienzeit würde er lieber überall eine kombinierte Lösung sehen, wie sie an der TU München praktiziert wird. Hier sind Diplomabschluss, Bachelor und Master eine friedliche Koexistenz eingegangen. Sogar ohne wesentliche Mehrkosten für Stadt und Staat. Der Professor plädierte für ein verzahntes Modell. Aber auch die TU München hat sich jetzt innerhalb der TU9 eingebunden.

Mit der Berliner Erklärung werden ab jetzt Absolventen von Bachelor- und Master-Studiengängen beim Übergang in die nächst höhere Qualifikationsstufe – entweder in ein Masterprogramm oder zur Promotion – innerhalb von neun Fachrichtungen jeweils wie eigene Studenten behandelt. Diese Vereinbarung bedeutet für die Studierenden und die Unis mehr Flexibilität auch während des Studiums, die Alma Mater zu wechseln. Die Unis betonen: “Der Bachelor öffnet alle Türen, der Master ist das Ziel.” Die Positionierung des universitären Masters als Regelabschluss für Wissenschaft und eine Tätigkeit in der Wirtschaft basiere auf der Erfolgsgeschichte des deutschen Diplomingenieurs und der damit verbundenen Qualifikation. Und genau der soll jetzt über Bord fallen.