Cisco wird Reseller von HP-Software

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Die Allianz zwischen den beiden Platzhirschen ist wohl nur eine Vernunftehe. Aber gekränkte Nebenbuhler dürfte es dennoch geben: IBM zum Beispiel, oder CA.

Bei der Herstellung von Netzwerkprodukten sind sich Hewlett-Packard (HP) und Cisco traditionell spinnefeind. Doch der Druck eines immer heißer umkämpften Marktes treibt die beiden Unternehmen inzwischen näher zusammen. So wurde bereits im Mai eine strategische Allianz geschlossen, die jetzt durch eine Reseller-Vereinbarung noch weiter ausgebaut wurde. Ab dem ersten Quartal kommenden Jahres wird Cisco Reseller von HPs Management-Software OpenView.
Im Rahmen der Kooperation bieten die beiden Allianz-Partner weltweit Produkte, Integrationskonzepte sowie Services und Support für Netzinfrastrukturen. Bei bestimmten Unternehmen würden nun Cisco und HP nicht mehr als Konkurrenten, sondern gemeinsam auftreten, sagte Todd DeLaughter, Vice President Management Software bei HP. “Es ist an der Zeit, dass sich die Marktführer zusammen tun, um die Bedürfnisse der Kunden zu erfüllen.”

So bietet der Cisco-Außendienst seinen Kunden künftig den OpenView ‘Network Node Manager’ an, mit dessen Hilfe Anwender einen detaillierten Einblick in Vorgänge im Netz und über dessen Verfügbarkeit bekommen sollen. Das ‘Route Analytics Management System’ bietet einen Echtzeit-Überblick über das Routing im Netz.

Ebenfalls auf der Cisco-Preisliste steht das ‘Performance Insight Report Pack for Cisco IP Telephony’, es soll die Planung von Kapazitäten für IP-basierte Telefonlösungen erleichtern. Die ‘Telecom Management Information Platform Light’ schließlich ist speziell für die Verwaltung von Kommunikationsnetzen und -Diensten konzipiert.

“Viele Cisco-Kunden setzen OpenView ein, um ihr Unternehmensnetzwerk zu organisieren. Vor diesem Hintergrund ist ein kontinuierlicher Anschluss an Ciscos Management-Produkte sehr wichtig”, sagte Brian Junnila, Manager für Product Marketing im Enterprise Management Business Unit bei Cisco, im Interview mit silicon.de. “Als sich die Möglichkeit für Cisco ergab, OpenView-Produkte als Reseller zu vertreiben, haben wir beschlossen, dass das gut mit den Bedürfnissen unserer Kunden und den Ansprüchen beider Unternehmen harmoniert.”

So manchem Branchenbeobachter drängt sich der Eindruck auf, dass die Kooperation eine klare Bevorzugung von HP darstellt, auf Kosten von IBM und CA, die mit Tivoli und Unicenter vergleichbare Produkte wie OpenView auf dem Markt haben. Sowohl Cisco als auch HP bestreiten das jedoch. “Wir müssen die Nischen stärker besetzen”, sagt Gerhard Haberstroh, Market Impact Manager HP Software EMEA. Die Allianz mit Cisco richte sich deshalb nicht so sehr gegen die großen Wettbewerber wie CA oder IBM, sondern gegen eben jene Nischenanbieter.

Auch bei Cisco will man von Bevorzugung nichts hören, die Partnerschaft sei schließlich nicht exklusiv. “Wir arbeiten mit einer Reihe der branchenführenden Unternehmen zusammen, mit dem Ziel unseren Kunden die beste Auswahl und Flexibilität zur Verfügung zu stellen”, so Junnila. So seien sowohl Ciscos ‘Intelligent Information Network’, als auch HPs ‘Adaptive Enterprise’ und IBMs ‘On Demand Business’ darauf ausgerichtet, Unternehmen bei ihren Herausforderungen zu helfen.

“Die HP-Produkte, die nun über das Cisco-Verkaufsteam erhältlich sind, sind eine Option, um solchen Bedürfnissen entgegenzukommen. Wenn sie die beste Lösung sind, werden sie angeboten, wenn sie das nicht sind, werden sie auch nicht angeboten”, so der Cisco-Manager.

Tatsächlich legt sich HP mächtig ins Zeug, um diesen Anforderungen gerecht zu werden. Mit dem ‘OpenView Automation Manager’ stellt das Unternehmen parallel zur Cisco-Partnerschaft eine neue Software zur Verwaltungs-Automatisierung vor. Das System erkenne veränderte Anforderungen selbstständig und reagiere entsprechend, so DeLaughter.

Entstehe bei einem Finanzdienstleister während einer Transaktion ein Flaschenhals, analysiere der Automation Manager das Problem von alleine. Dabei entscheide er zum Beispiel auch über die Frage, ob ein anderer Applikationsserver hinzugezogen werden soll. Damit sticht der Automation Manager nach DeLaughters Worten konkurrierende Produkte beispielsweise von IBM oder Opsware aus, da diese nicht auf Basis von Scripts agierten. Das mache diese Tools unflexibel.

Der Automation Manager soll noch im Laufe dieses Monats für Windows, Linux und möglicherweise auch HP-UX auf den Markt kommen. HP rechnet vor allem für Blade-Server-Umgebungen mit einem großen Erfolg der Software. Der Preis hängt vom Grad der Automation ab, startet jedoch generell bei 1000 Dollar pro Server.