Sony macht seinen Händlern Konkurrenz

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Mit Befremden beobachten Händler für Unterhaltungselektronik seit dem vergangenen Jahr einen Trend, der – angeführt von der japanischen Sony – die USA erreicht hat.

Mit Befremden beobachten Händler für Unterhaltungselektronik seit dem vergangenen Jahr einen Trend, der – angeführt von der japanischen Sony – die USA erreicht hat. Dort hat inzwischen die zwölfte Sony-Boutique ihre Pforten geöffnet, in diesem Monat werden Denver und Las Vegas folgen, bis 2006 sollen es insgesamt 30 sein. Händler fürchten nun Konkurrenz von Seiten des Herstellers und dass – falls das Konzept aufgeht – auch andere Produzenten von Unterhaltungselektronik nachziehen.
“Wir wollen, dass unser Lieferant ein Lieferant bleibt und kein Wettbewerber im Einzelhandel wird”, sagt Mike Abt von der US-Unterhaltungselektronikkette Abt Electronics. Man beobachte sehr genau, welche Ziele die Hersteller mit der neuen Geschäftsidee verfolgen. Apple hat in den USA in den vergangenen drei Jahren über 80 eigene Läden eröffnet und auch Dell hat seine eigenen Shops – doch sie hängen bei weitem nicht so stark vom Elektronikhandel ab wie die von Sony.

Die Japaner haben es vor allem auf die weibliche Kundschaft abgesehen. Dennis Syracuse, Vice President für Sonys Geschäftsbereich Style Retail, hat sich sogar auf eine Tupperware-Party gewagt, um das Einkaufsverhalten der Frauen zu studieren.

Das Ergebnis sind Sony-Shops in noblen Einkaufszentren, in denen Läden für Unterhaltungselektronik bisher so gut wie nie auftauchten. Die Boutiquen sind neben Tiffany, Louis Vuitton und Co angesiedelt und stehen damit im starken Kontrast zu den üblichen Elektronik-Großmärkten am Stadtrand. Ein ‘Concierge-Pult’ am Eingang, breite Gänge für Kinderwagen und dekorativ verteilte Fernsehgeräte sollen die Leidenschaft der Frauen – die bisher eher für High Heels loderte – für Flachbildschirme entzünden.

Zurück bleiben irritierte Männer und Elektronikhändler. Bei Sony wehrt man sich jedoch gegen die Behauptung, man wolle den eigenen Vertriebspartnern Konkurrenz machen. Wo immer eine neue Boutique eröffnet werde, lade man die örtlichen Händler zu einem Informationsbesuch ein, sagte Mike Fasulo, President des Geschäftsbereichs eSolutions. Studien hätten ergeben, dass diese Läden viel dazu beitragen, die Kunden zu informieren – das wiederum habe insgesamt höhere Absatzzahlen zur Folge.

Gleichzeitig geht der Sony-Manager aber auch davon aus, dass die Boutiquen Gewinne einbringen – zum Kummer der Elektronikhändler. Man sei sich der Problematik bewusst, so Fasulo. “Ich habe noch keinen Beschwerdebrief bekommen, aber auch noch kein Dankesschreiben.”

Auch in Deutschland testet Sony bereits seit einiger Zeit das Geschäft mit außergewöhnlichen Innenstadt-Shops. In Berlin wurde bereits vor vier Jahren Sonys europaweit erster ‘Sony Style Store’ eröffnet – eine Mischung aus Geschäft und elektronischer Erlebniswelt. Das Unternehmen spricht von mehreren hunderttausend Besuchern jährlich. “Ein umfassendes Ladenkonzept wie in den USA ist für Deutschland im Augenblick aber nicht geplant”, sagte eine Sony-Sprecherin gegenüber silicon.de.