Jedes fünfte Unternehmen setzt Linux ein

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Großunternehmen treiben die Verbreitung von Linux voran, vor allem im Serverraum. Das liegt mitunter am vorhandenen Unix-Know-how.

2004 war das Durchbruchsjahr für Linux und Open-Source-Software (OSS) – zu diesem Ergebnis kommt eine neue Untersuchung der Marktforscher von Meta Group. Etwa 19 Prozent aller deutschen Unternehmen betreiben Linux-Maschinen und circa 6 Prozent haben andere Open-Source-Software bis dato installiert.
Für die Studie mit dem Titel ‘Open Source im Durchbruchsjahr 2004’ wurden 354 Unternehmen in der Größenordnung 50 und mehr Beschäftigte mit Sitz in Deutschland befrag. Herausgestellt hat sich dabei, dass vor allem Großunternehmen zur Verbreitung von Linux beitragen: Über 50 Prozent der Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern nutzen das Betriebssystem.

Ein Ende des Vormarsches ist nicht abzusehen, denn die Open-Source-Bewegung hat einen Paradigmenwechsel im Softwaremarkt eingeläutet, der nicht mehr aufzuhalten ist. So richten sich IT-Organisationen nicht mehr nur nach den Möglichkeiten der Produkte aus, sondern nach dem Geschäftsnutzen ihrer Installationen. Infrastruktur und Lösungen würden nicht in Form von “was geht alles?” diskutiert sondern eher nach dem Kriterium “was reicht aus?”.

In Zeiten knapper Budgets ist diese Denkweise besonders interessant und wird nicht zu unterschätzende Auswirkungen auf das gesamte Softwaregeschäft haben, warnt Eduard Stupening, Senior Director Consultant bei der Meta Group: “Die ökonomischen Aspekte der Open-Source-Software zwingen Anbieter dazu, den Wertbeitrag ihrer Lösungen nach betriebs-ökonomischen Gesichtspunkten neu zu bewerten.”

Was dabei herauskommt, wird den Microsofts, Oracles und SAPs dieser Welt, die einen Großteil ihrer Umsätze und stattlicher Margen mit dem Lizenzgeschäft verwirklichen, kaum schmecken. “Open Source gefährdet die Margen der Softwareindustrie und zieht eine Strukturveränderung in Richtung Dienstleistung nach sich”, sagt Stupening voraus. Das sei zwar ein relativ langsamer Prozess, aber dennoch eine Revolution auf dem IT-Markt.

Der Grund, warum Linux und Open-Source-Anwendungen bei Großunternehmen eher zu finden ist als bei kleinen (in der Größenklasse 50 – 99 Beschäftigte muss man von circa 10 bis 11 Prozent ausgehen), liegt hauptsächlich im Vorhandensein von Unix-Know-how. Daher ist es kein Wunder, dass Linux auch vor unternehmenskritischen Anwendungen dort nicht halt macht. Circa 70 Prozent der Unternehmen, die Open-Source heute oder demnächst im Einsatz haben, glauben, dass OSS auch auf Business-Critical-Servern eingesetzt werden wird.

Vorreiter dieser Entwicklung in Deutschland sind insbesondere die Branchen Transport, Versorger, Telcos, der öffentliche Sektor und der Handel. Dabei zeichnen sich IT-Leiter im öffentlichen Sektor mit einem besonderen Eifer in Sachen Open Source aus. Das hat sehr viel mit Kameralistik zu tun, der zum Großteil heute noch gültigen Methode, die Finanzen von Kommunen und öffentlichen Einrichtungen zu verwalten, meint Eduard Stupening. In der Kameralistik dominieren die Jahresetats und deswegen wiegen Primärinvestitionen, wie sie bei der Anschaffung neuer Software anfallen, schwerer als die nachfolgenden Betriebskosten. “Im Haushalt eines Jahres bringen Sie sehr schwer den TCO von fünf Jahren unter”, erklärt Stupening.

Die Domäne des Einsatzes von OSS liegt derzeit im Server-Bereich, doch scheint auch der Desktop etwas aufzuholen. Allerdings liegen hier die größten Hindernisse einer noch größeren Akzeptanz von Open-Source-Software. Da der Desktop von Windows dominiert wird, sind die Fachanwendungen ebenso schwierig zu ersetzen, weil sie auf Windows-Clientsoftware angewiesen sind.

Als weitere Hürde muss das mangelnde Linux-Know-how bei den IT-Dienstleistern erwähnt werden. Die Meta Group ist während der Erhebung auf viel Unzufriedenheit der Kunden mit Dienstleistern was Programmierung, Integration und Wartung von Systemen betrifft konfrontiert worden. Dienstleister, die Projekte implementieren, Anwendungen entwickeln und Beratung und Schulung anbieten, erlangten bei Anwenderunternehmen keinen großen Zuspruch. Diese würden nach wie vor auf Antworten von den Anbietern zu Fragen der Standards, Einbindung in bestehende Umgebungen und Interportabilität von Objekten aus Office-Anwendungen warten.

Dennoch stellt die Studie fest, dass in Deutschland wie auch in anderen Regionen der Welt der OSS-Zug Fahrt aufgenommen hat. Die Unternehmenspenetration erscheine noch gering, das liege aber auch an der großen Zahl der Mittelstandsbetriebe in Deutschland. “Die Zeichen stehen jedoch auf Freie Fahrt”, sagt Eduard Stupening.