IT-Psalter

Enterprise

1000 Meilen und mehr war der 300-köpfige Treck gen Westen gezogen bis ins gelobte Land, nach Kalifornien, um dort endlich die ersehnten Botschaften zu vernehmen.

1000 Meilen und mehr war der 300-köpfige Treck gen Westen gezogen bis ins gelobte Land, nach Kalifornien, um dort endlich die ersehnten Botschaften zu vernehmen. Bekenntnisse, die mit den verheißungsvollen Worten beginnen: “Wir glauben an die Kraft …” Und: “Die Antwort ist …”
Sowas ist da ja schon seit jeher gang und gäbe. Der äußerste Westen der USA war schon immer die Heimstatt der in Sachen Glauben besonders Hartgesottenen.

1968 etwa gründete hier David Berg, alias Mose David, in Haight-Ashbury – dem Stadtteil von San Francisco, von dem auch die Hippie-Bewegung ausging – die ‘Children of God’. Die weiblichen darunter schickte er anschließend im Namen des Herrn zum Anschaffen.

Gut 100 Jahre zuvor wäre San Francisco fast zum Neu-Jerusalem geworden. Aber Brigham Young, der Führer der LDS (Latter-day Saints) – auch als Mormonen bekannt – hatte schon ein paar hundert Meilen vorher eine Vision. Und deswegen wurde es Salt Lake City.

Wenn’s in San Francisco nicht um den Glauben geht, dann geht’s um Geld. Meist aber geht’s um beides. Das war schon immer so.

1776 gründete ein Franziskanerpater die gleichnamige Missionsstation. Worauf bis zur Mitte des nächsten Jahrhunderts erst einmal nichts passierte. 1848 hatte San Francisco ganze 900 Einwohner.

Dann aber wurde Gold gefunden. Die Bevölkerungszahl erhöhte sich 1849 auf 25.000 und 1850 auf 50.000. Von den damaligen Neuankömmlingen rührt der Ruf Kaliforniens als gelobtes Land.

Also die Location war offenkundig mit Bedacht gewählt. Und da verwundert es denn auch nicht, dass in der Ankündigung des aktuellen Ereignisses gleich von mehreren ‘Gurus’ die Rede war, die erwartet würden.

Der 300-koepfige Treck passte ebenfalls gut. Die Journallie war’s, die vergangenes Wochenende in San Francisco ankam. Und IT-Schreiberlinge sind ja traditionell sehr gläubig, leichtgläubig zumindest.

Gut: “We believe in the power of information.” Und: “The answer is information.” Die Sätze, die auf der Oracle World diese Woche in San Francisco von den ‘Gurus’ gebetsmühlenhaft wiederholt wurden. Vielleicht waren die doch etwas hochgegriffen. Vor allem wenn man sich vergegenwärtigt, dass es bei dem Event eigentlich nur um in Tabellenform geschriebene Bits ging. Um relationale Datenbanken halt.

Aber in der IT wie in der Religion gibt man nun mal gerne Losungen aus. Die der “Information Company” (Oracle) lautet: “Auf Information kommt es an.” (“Information matters.”)

Und selbst die üblichen Aushilfskräfte aus dem amerikanischen Niedriglohnsektor, die einem in den USA immer den Weg bis zum nächsten Flur zeigen, trugen im Moscone Center in San Francisco diese Woche T-Shirts mit der Aufschrift “Information driven”. Drunter geht’s eben nicht.

Ansonsten waren Applikationen für das “Information Age” Thema des Events. Das sind die, die um eine Oracle-Datenbank herum gebaut sind – sagt Oracle.

Dazu hat der Konzern eine Initiative angekündigt: Zusammen mit Partnern will man nächstes Jahr die “Vision” verkünden.

Die Partner sind Dell, Intel, Red Hat und Novell. Aus der Aufstellung wird ersichtlich, wie man sich den konkreten Teil der Vision vorzustellen hat: Die Datenbank ist verteilt und läuft auf Linux – von Red Hat und Novell. Und die Hardware für den Cluster darunter kommt von Dell, dem einzigen Computer-Bauer, dessen Rechner ausschließlich “Intel inside” haben.

Außen vor bleibt demnach Sun, der Konzern, der bislang vorzugsweise Oracles Kundschaft mit – wenn auch etwas teureren – Rechnern beliefert hat. Und darüber hinaus noch wie kein anderer mit Visionen, Gurus und Evangelisten.

Sun ist nicht dabei. Aber das ist ja immer so: Wenn’s um ein gelobtes Land geht, dann heißt es immer: Nur wenige sind auserwählt. Und die fühlen sich entsprechend und reden auch so daher.

Denn wie lesen wir schon in der Heiligen Schrift: “Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über” (Matthäus 12, Vers 34).

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