US-Wahl: E-Voting scheint so chaotisch wie befürchtet

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Nach dem Wahldebakel 2000 sollte es in den USA nicht noch einmal soweit kommen, dass ein Gericht den neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten feststellen muss.

Nach dem Wahldebakel 2000 sollte es in den USA nicht noch einmal soweit kommen, dass ein Gericht den neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten feststellen muss. Allem Anschein nach sieht es aber so aus als ob genau das wieder passiert. Nicht zuletzt werden die Wahlcomputer, mit modernster Technik ausgestattet, dafür verantwortlich gemacht. Schon jetzt, noch vor dem entgültigen Ergebnis, ist von Fehlern und Manipulation bei den Maschinen die Rede.
Dabei wollten die Verantwortlichen diesmal eine umstrittene Wahl mit allen Mitteln verhindern. Die unleserlichen Lochkarten, die dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten von 2000, Al Gore, wahrscheinlich den Sieg gekostet haben, sollten verschwinden und durch Hightech ersetzt werden. Schnell traten aber Probleme bei der Simulation der Stimmabgabe auf und schon im Vorfeld war klar: das wird wieder keine reibungslose Wahl, im Gegenteil. Sollte es auch nur im Ansatz ausgeglichen zugehen und beide Kandidaten nahezu gleich viel Stimmen auf sich vereinen, dann würde es ernst werden.

Jetzt ist es soweit. Die 10.000 Anwälte, die jede Seite in Stellung bringen wollte, um Unregelmäßigkeiten zu überprüfen stehen bereit. Denn es wird wieder ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem amtierenden Präsidenten George W. Bush und Senator John F. Kerry. Sie unsicheren Staaten, Swinging States genannt, werden zur Stunde noch ausgezählt. Und auch wenn es so aussieht, dass der alte der neue Präsident sein wird, so will der Demokrat Edwards “kämpfen bis zum Schluss”.

Dass es dabei nicht bleiben würde war klar. Schon werden erste Verschwörungstheorien laut, wonach zuvorderst die Republikaner die Wahlmaschinen absichtlich zu ihren Gunsten verändert haben könnten. Der amerikanische Nachrichtensender MSNBC hat eine Hotline eingerichtet für Menschen, die Probleme bei ihrer Stimmabgabe hatten oder Unregelmäßigkeiten in ihren Wahllokalen bemerkt haben wollen. Bis zum Mittwoch Morgen unserer Zeit waren schon mehr als 18.000 Beschwerden eingegangen.

Der Newsdienst ‘Wired’ hat eine ganze Reihe von Beschwerdestellen aufgezählt, bei denen sich unzählige Anrufer über die Maschinen beklagt hätten. Laut National Protection Network hätten mehr als 600 Menschen angerufen, an anderer Stelle mehr als 50.000, wobei es dort nicht ausschließlich um Probleme mit den E-Voting-Rechnern ging. In verschiedenen Bundesstaaten hätten Maschinen ihren Dienst verweigert oder die Kreuze für einen Kandidaten landeten aufgrund von Software-Fehlern beim anderen.

Vor der Wahl geisterte eine Junkmail auch in Deutschland herum. Dabei sollte man sein Kreuz beim favorisierten Kandidaten machen. Klickte man Kerry an, sprang der Curser weg und man ‘wählte’ für Bush. Man schmunzelte schon ein wenig. Den Amerikanern war offensichtlich nicht zum Lachen zumute, denn denen ist es angeblich wirklich passiert. In einigen Staaten soll tatsächlich das Kreuz immer bei Bush gelandet sein, auch wenn jemand für Kerry votieren wollte, berichtet der Spiegel.

Lässt man sich nicht von den Gerüchten leiten, so ist das Vertrauen in die Technik trotzdem auch bei dieser Wahl wieder schwer erschüttert worden. Raum für Verschwörungstheorien bleibt da noch genug. Skeptiker werden fragen, warum ausschließlich Kerry-Anhänger die Wahl in Zweifel ziehen. Wussten sie von Anfang an, dass sie es nicht schaffen können und streuten rechtzeitig die Gerüchte? Oder können sie nicht akzeptieren, dass sie auch dieses Mal verloren haben? Vielleicht liegen sie richtig und alles unterliegt einem großen Schwindel.

Unterdessen hat sich die Open-Source-Gemeinde gemeldet und meint, mit einem offenen System hätte man so manches verhindern können. Viele Software-Fehler seien durch falsche Befehle entstanden. Hätten verschiedene Entwickler an der Lösung mitwirken können, wären eine Reihe von Defekten im Vorfeld entfernt worden. Stattdessen koche jeder Hersteller von Wahlmaschinen sein eigenes Süppchen und gebe den Quellcode nicht frei, so ein Sprecher des Open-Voting-Consortiums gegenüber der US-Presse.

Bei einem zumindest scheint alles glatt gegangen zu sein. Der Astronaut Leroy Chiao konnte seine Stimme abgeben – aus dem All. Chiao ist gerade auf einer Mission und gab seine Stimme via verschlüsselter Mail von der Internationalen Raumstation ab.