Das Christkind bringt – den Preiskampf der UMTS-Giganten

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Die Vergabe der UMTS-Lizenzen vor vier Jahren hat nicht entschieden, wer die UMTS-Könige sind. Umso wichtiger ist ein aggressiver Preiskrieg um jeden einzelnen Kunden.

Noch in diesem Jahr, genauer gesagt kurz vor Weihnachten, soll sie losgehen: Die Schlacht der UMTS-Anbieter um die Kunden in Europa. Die letzteren können sich auf günstige Angebote und Dienste freuen – für die Hersteller und Anbieter gilt es, schnell zu reagieren und hoch zu pokern. Das ist die Prognose des Marktforschungsunternehmens Gartner Research. Es geht um nichts weniger als die uneingeschränkte Kontrolle über die europäischen UMTS-Märkte.
Über mehrere Jahre, so die Analysten Nick Jones und Ben Wood, soll sich der Kampf hinziehen, während die Kunden von Angeboten geradezu überschwemmt werden sollen. Dies sei ein Ergebnis der Ausgangsbedingungen. In den europäischen Märkten gibt es meist noch kein flächendeckendes und funktionsfähig aufgestelltes UMTS-Netz und wo es existiert, ist es noch weitgehend chancenlos gegen die jetzt aktiven Netze der zweiten Mobilfunkgeneration. Aber noch Ende 2004 sollen die ersten Anbieter in Europa so sichtbar sein, dass sie nicht nur gegen die alte Technik, sondern bereits untereinander konkurrieren können.

Die Analysten beschreiben die Situation als angespannt. In Westeuropa gebe es in manchen Märkten beispielsweise jetzt schon mehr Handys als Nutzer, das heißt, dass beim Netzausbau keine wirklichen Neukunden mehr an die Technik herangeführt werden, sondern Handynutzer, die bei ihrem Service bleiben könnten. Der Kampf um jeden einzelnen Kunden heißt demnach, sie den Rivalen abzujagen oder die eigenen Kunden bei wachsamem Blick auf die Konkurrenzangebote zu halten und an die eigene Marke zu binden – und das geht nach der Ansicht von Wood und Jones nur mit Services oder Preisen, und es ist nebenbei mit eklatant hohen Kosten für die Unternehmen verbunden. Gewinnt also der Anbieter mit den besten Diensten oder der mit den tiefsten Taschen?

Zunächst die mit den größten finanziellen Möglichkeiten, sagen die Analysten. Das geht bis dahin, die Kunden am Anfang mit hohem eigenem Verlust zu subventionieren, wie es der Anbieter ‘3’ in Großbritannien mit seinen Prepaid-Services mache. Und schließlich seien die meisten Datendienste für die Anbieter nicht besonders gut aufgegangen. Bis auf das Geschäft mit Klingeltönen und mit Textnachrichten gebe es vor allem im europäischen Endkundenbereich so gut wie gar keinen Profit mit Datendiensten.

Den etablierten Mobilfunkanbietern, so die beiden Branchenkenner, könnte diesbezüglich ihre eigene Taktik auf die Füße fallen: Sie werden demnach UMTS wie eine weitere Technik in einer langen Reihe von Techniken betrachten und die Kunden nicht mit modischen Hype-Fragen, sondern mit Service-Paketen zu locken versuchen. Doch genau mit solchen Datendiensten ist kein Staat bei den Europäern zu machen. Viel eher könnten Dinge wie Endgeräte und ihre Funktionen und Spielerein den Kunden zum einen oder anderen Anbieter locken. Schließlich werden die Geräte schnell altbacken, so sind technische Fragen vor allem bei Jugendlichen eher ein Treiber als ein Service, der dann wieder vom Kommunikationspartner dieselben Funktionen im Handy erfordert.

Dennoch müssen sie die technischen Möglichkeiten der UMTS-Technik so füllen, dass die Kunden zugreifen. Die Analysten betrachten die Einstellung der Anbieter also als vertretbar, sich für Dinge wie Video Calling (so etwas wie Bildtelefonie, nur per Handy und ruckelfrei), Video Messaging (Versenden von kleinen, selbstgedrehten Filmchen), Media Streaming (Digitalisierung von Multimedia-Inhalten) und das Herunterladen von Musik und Film zu interessieren. Doch will eine Firma dies ernsthaft betreiben, so braucht sie eine Menge Partner, warnen die Analysten. Für jeden angebotenen Dienst gelte es den richtigen – möglichst auch technisch kompatiblen – Partner zu finden.

Die Hoffnung allerdings, mit Location Based Services zu punkten und hieraus Premium-Pakete schnüren zu können, bezeichneten sie als trügerisch. So seien die Services auch jetzt schon mit der Vorgängertechnik zu haben, genau wie Werbebotschaften und anderes. Um hier gegenzusteuern, raten Wood und Jones dazu, sich nicht allein als reiner UMTS-Anbieter aufzustellen, sondern die bandbreitenintensiven Dienste auch in abgespeckter Form auf den herkömmlichen Mobilfunknetzen zu verbreiten und so massiv Geld zu sparen.

Nicht jedes Rad muss also neu erfunden werden, und so raten die Analysten zum Branding von fremdem Content – das schaffe eine bessere Kommunikationsbasis für die Kunden durch mehr Verbreitung und wenig Kompatibilitätsfragen – andererseits seien die Anbieter vor kostspieligen Eigenentwicklungen gefeit. Die Lösung ‘Preminet’ von Nokia sei diesbezüglich eine gute Idee – hier können Partner Mobilfunk-Software mit ihrer Marke versehen. Dieser Weg kann zu einer Morgenröte für die Content-Anbieter werden, sagen die Analysten.

Doch wer soll das alles kaufen? Wood und Jones haben unter den Geschäftsreisenden die Hauptnutzer für mobile Business Anwendungen ausgemacht und diese sollen bis 2007 ganz wesentlich die Taschen der jeweiligen Anbieter füllen. Diese Zielgruppe benötige die meiste Bandbreite und sei bereit, dafür auch etwas auf den Tisch zu legen – sofern der Service einen Nutzwert hat und den Erwartungen entspricht. Sie werden von den Anbietern zunehmend über Festverträge geködert, prognostizieren die beiden Fachleute.

Für Unternehmen sei es mit UMTS denkbar, von einem Anbieter die Telefonanlage schrittweise durch Mobilfunk ersetzen zu lassen. Die Analysten haben eine Tendenz zum drahtlosen Telefonieren auch in Unternehmen festgestellt und sehen UMTS daher auch für Filialen und Außenstellenanbindung als mögliche Alternative zu Voice over IP und herkömmlichen Telefonanlagen über PBX.

Andererseits werde es aber auch Business-Angebote geben, die durchaus mit WiFi mithalten können. Die Betreiber sollen sich bereits positioniert haben, Wide Area Networks über Mobilfunk zu einem Preis abzudecken, der den Preisdschungel des Stadtfunks in den Schatten stellt. Auch hier geht es aber um Qualität der angebotenen Dienste und dabei sieht Gartner Research ganz klar die etablierten Anbieter im Vorteil, die schon einige Erfahrung und auch Netzabdeckung haben. Neue Mitspieler, so heißt es, werden es hier schwer haben, alteingesessene UMTS-Netze ernsthaft zu gefährden.

Und das ist schon bei den einfachsten Dingen so: Sprachdienste sollen nämlich die bei weitem beliebteste und verbreitetste Sache bleiben, die über das Handy abgewickelt wird. Die Analysten gehen noch einen Schritt weiter und sagen, dass hier der größte Preiskrieg entstehen wird, und zwar noch vor Weihnachten, um die Margen mit dem Festgeschäft nach oben zu treiben. Alles sehen sie dabei in den Schaufenstern nebeneinander: Flatrates, Minutenbündel, Gratis-Telefonieren von Handy zu Handy im selben Netz, Spezialangebote für den Umstieg auf UMTS und anderes. Im Ganzen wird das Weihnachtsgeschäft nach Meinung von Nick Jones und Ben Wood attraktiver wegen der vielen Angebote, aber die Wahl auch um einiges schwieriger. Es lohnt sich also für die Kunden, die Angebote gründlich zu vergleichen und den ein oder anderen Preisrutsch abzuwarten. Die Anbieter müssen sich hingegen in diesem Winter warm anziehen.