Gartner warnt vor Explosion der Lizenzkosten

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Die Marktforscher von Gartner warnen vor höheren Software-Lizenzgebühren und raten Anwendern möglichst bald ihre Verträge zu verlängern.

Jetzt noch schnell den Sack zumachen! Die Marktforscher von Gartner warnen vor höheren Software-Lizenzgebühren und raten Anwendern möglichst bald ihre Verträge zu verlängern. Die Analysten glauben, dass die Hersteller von Unternehmensanwendungen wie zum Beispiel Oracle, IBM oder Sybase schon bald mit geänderten Lizenzstrategien die Preisschraube gehörig anziehen könnten.
Vor allem Technologie-Trends wie Dual-Core-Prozessoren, Server Virtualisation oder Computing On-Demand könnten ab Ende 2006 zur durchschnittlichen Verdoppelung der gesamten Lizenzgebühren führen. Die Preise für die einzelnen Lizenzen hingegen würden aber stabil bleiben. So berechnet IBM schon jetzt für Software, die zum Beispiel auf dem Dual-Core-Prozessor Power 5 laufen – schlicht und ergreifend – zwei Lizenzen.

Bis sich Unternehmen aber an die neuen technischen Tatsachen angepasst haben, werde noch einige Zeit vergehen, urteilt eine Analystin. “Softwareunternehmen werden generell, gleichgültig wie viel davon tatsächlich benutzt wird, anhand der Kapazität einer CPU abrechnen”, erklärte Research Director Alexa Bona. “Sie werden ihre Bedingungen ändern müssen, und diese Veränderungen werden schnell kommen.” Daher sei es für die Unternehmen wichtig, das Risiko zu verstehen und jetzt neue Vertragsverhandlungen mit den Händlern einzuleiten.

Als Verhandlungsstrategie empfiehlt Gartner, Strukturen festzulegen und für Dual-Core-Prozessoren nicht mehr als 25-prozentige Preissteigerungen zuzulassen. Denn zwei Kerne entsprächen nicht immer der doppelten Leistung, so die Marktforscher. Im übrigen, so Bona, seien die Softwarehersteller gezwungen, sich wegen der schwierigen Marktlage und dem mageren Wachstum in den letzten Jahren kompromissbereit zu zeigen. Die Anwender hätten also gute Karten für den Verhandlungspoker.

Hersteller wie Microsoft und Novell haben mit ihren Ankündigungen, jeweils die Lizenzen anhand physischer Prozessoren abzurechnen, ebenfalls Tatsachen geschaffen, die es Kunden bei Vertragsverhandlungen leichter machen könnten.

Auf der anderen Seite drohen höhere Lizenzkosten, den Anwendern wirtschaftliche Vorteile neuer und leistungsfähigerer Hardware kaputt zu machen. Hersteller wie IBM, Sun oder Hewlett-Packard, die sowohl Hard- als auch Software liefern, könnten durch zusätzliche Software-Einnahmen rückläufige Umsätze bei der Hardware kompensieren. Diskussionen wie diese lassen einen Grund erkennen, weshalb Unternehmen am allerliebsten einmalige Lizenzen kaufen und diese vorzugsweise per Arbeitsplatz abrechen lassen wollen, wie eine Studie der ‘Software Industrie and Information Association’ (SIIA) kürzlich belegte.