IBM gelobt Nichtangriffspakt für Linux-Entwickler

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IBM will aus seinem reichhaltigem Portfolio Open-Source-Entwicklern 500 Patente frei zugänglich machen.

IBM will aus seinem reichhaltigem Portfolio Open-Source-Entwicklern 500 Patente frei zugänglich machen. Laut Angaben des amerikanischen Patentamtes ist der Konzern seit zwölf Jahren in Folge Patentweltmeister und hat 2004 3248 Patente verliehen bekommen. Experten schätzen, das im selben Zeitraum Big Blue aus Patenten über ein Milliarde Dollar gewinnen konnte. Aber schon im Sommer kündigte Big Blue an, die gigantische Sammlung von geistigem Eigentum nicht gegen Linux einzusetzen.
IBM engagiert sich sehr stark für das Open-Source-Betriebssystem Linux, vor allem um ein Gegengewicht für die Microsoft-Dominanz bei Unternehmen zu schaffen. Viele Experten sehen in diesem Schritt jetzt einen Philosophiewechsel in der IBM-Strategie, sein geistiges Eigentum zu verwalten.

Gerade bei Linux-Anwendern und -Entwicklern herrschen diffuse Ängste vor Patentklagen. Genau diese versucht IBM mit seinem Nichtangriffsversprechen zu zerstreuen. Und wie ein Hewlett-Packard-Manager 2002 erklärte, sei hier vor allem Microsoft als treibende Kraft zu fürchten. Bislang ist der große Gegenschlag gegen ‘freie’ Software ausgeblieben. Schätzungen zufolge könnte Linux über 280 Patente verletzen. 60 alleine gehören IBM, das jetzt ein Zeichen setzen will und damit sicherlich einen Beitrag zu mehr Rechtssicherheit leisten kann.

Doch ganz uneigennützig wird der Technologiekonzern sein Geschenk nicht machen. “Nach einem substanzlosen Nichtangriffsversprechen gegenüber Linux tut sich IBM nun erneut durch Augenwischerei und billige Effekthascherei im Zusammenhang mit Patenten und Open Source hervor”, kommentiert Florian Müller Initiator der Initiative ‘nosoftwarepatents.com’. Die zugesagten Patente machten noch nicht einmal ein Prozent des weltweiten IBM-Patentbestandes von 40.000 aus.

IBMs Versprechen sieht er als eine Art Marketingkampagne, hinter der nicht wirklich ein substantieller Gesinnungswechsel des Unternehmens steht: “In Europa ist IBM eine treibende Kraft hinter der ständigen Ausweitung der Patentierung von Software”, weiß Müller. Seine Initiative kämpft mit anderen Vereinen gegen eine Ausweitung der Patentierbarkeit von Software durch ein entsprechendes EU-Gesetzt. Falls IBM wirklich hier einen Philosophiewechsel vollziehen wolle, “dann sollten erst mal das aggressive Patentlobbying von IBM in der EU und das schamlose Abkassieren von Mittelständlern durch die IBM-‘Patentsteuer’ unterbleiben.”

“Wir glauben, das es eine radikale Idee ist und wir hoffen, dass andere in unsere Fußstapfen treten und mitmachen”, erklärte John Kelly, ein IBM Senior Vice President. Sein Unternehmen hoffe dadurch die gemeinsame Arbeit von Open-Source-Entwicklern beschleunigen zu können und Probleme von mehreren Augen betrachten zu lassen.

“Dabei sind bestimmt auch einige wirklich wertvolle Patente”, erklärte Stuart Cohen, CEO der Open Source Development Labs, die von IBM unterstützt werden. Auch er wünscht, dass andere Unternehmen dem Beispiel von Big Blue folgen könnten. So würden der freien Entwicklerszene mehrer tausend Patente zur Verfügung stehen.

“Dieser Schritt geht viel weiter als die Beiträge, die wir in der Vergangenheit geleistet haben, erklärte Jim Stallings, Vice President für Standards und geistiges Eigentum bei IBM gegenüber der New York Times. “Es sind Patente, die in vielen Industrien tief eingebunden sind und sie sind jetzt für jeden, der an Open-Source-Projekten arbeitet frei zugänglich, auch für kleine Unternehmen und Selbständige.”