Ein Babelfisch für die IT?

Management

So ein Tierchen würde sich auch so mancher CIO oder Entwicklungsleiter wünschen

In dem Science-Fiction-Roman ‘Per Anhalter durch die Galaxis’ von Douglas Adams kann der Protagonist Arthur Dent mit Hilfe eines so genannten Babelfisches plötzlich jede Sprache im Universum verstehen und sprechen. So ein Tierchen würde sich wohl auch so mancher CIO oder Entwicklungsleiter wünschen.
Nicht dass die IT oder Software-Projekte irgendetwas Außerirdisches an sich hätten. Im Gegenteil. Wenn Experten aus der IT und anderen Fachbereichen der Unternehmen bei Softwareprojekten aneinander vorbei reden, ist das durchaus menschlich. Schließlich hat der eine die fachliche und der andere die technische Brille auf der Nase.

Die Folge: Nach der Fertigstellung entspricht das jeweilige Ergebnis oft nicht dem, was sich der Auftraggeber vorgestellt hat. Es muss nachgebessert werden. Und nachträgliche Änderungen können teuer werden – durch zusätzlichen Entwicklungsaufwand und Kosten aufgrund der zeitlichen Verzögerung. Im schlimmsten Fall wird das Projekt ad acta gelegt, ohne dass es jemals eingesetzt wurde.

Die immensen Kosten, die durch Projektverzögerungen, Nachbesserungen und nicht erreichte Projektziele entstehen, wollen und können sich die Unternehmen nicht mehr leisten.

Ein wichtiger Schlüssel, um den Erfolg von Software-Projekten zu erhöhen und die Qualität des Entwicklungsprozesses zu steigern, sind leistungsfähigere Prozesse.

Das haben viele Unternehmen erkannt und Vorgehensmodelle für die Software-Entwicklung eingeführt, beispielsweise das V-Modell oder den Rational Unified Process (RUP). In diesen Vorgehensmodellen werden alle Phasen des Entwicklungsprozesses abgebildet, Rollen und Verantwortlichkeiten im Entwicklungsprozess definiert. 

Ein effizientes Anforderungsmanagement stellt dabei beispielsweise sicher, dass Anforderungen eindeutig formuliert sind, Abhängigkeiten aufgezeigt werden und etwaige Änderungen nachgepflegt werden. So lässt sich nicht nur die Krux mit der technischen und fachlichen Brille lösen, sondern es lassen sich auch andere nachhaltige Probleme wie Fehlfunktionen durch “mal schnell programmierte Funktionen” entschärfen.

Schon heute beeinflusst das Anforderungsmanagement bei Softwareprojekten bis zu 40 Prozent der gesamten Projektlaufzeit. Es wirkt auf den gesamten Entwicklungsprozess nachhaltig ein. In Offshore-Projekten mit großen verteilten Teams kommt diesem Prozess sogar eine noch höhere Bedeutung zu. Denn dann sind es nicht nur fachsprachliche Grenzen, die es zu überwinden gilt, sondern es müssen auch kulturelle Besonderheiten berücksichtigt werden.

Wichtig ist, dass die Prozesse gut an die jeweilige Organisation angepasst werden und die Mitarbeiter die Prozesse auch tatsächlich leben. Ansonsten verkommt ein Vorgehensmodell schnell zum Staubfänger im Schrank mit den Handbüchern. Das passiert aufgrund der Komplexität leider immer wieder.

Den größten Effekt erreichen sicherlich Unternehmen, die neben effizienten Prozessen auch eine Kommunikationskultur pflegen, in der der Begriff “Dienstleister” nicht mit “Dienstmädchen” verwechselt wird. Dann braucht es auch keinen Babelfisch.

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