Spammer und Smartphones – eine verhängnisvolle Affäre

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Um Spam-Mails den Weg auf Mobiltelefone zu versperren, experimentieren Betreiber und Behörden mit Domain-Listen. Der Nutzen ist höchst fraglich.

Während Computernutzer rund um den Globus pro Tag immer mehr Zeit darauf verwenden, Spam-Mails aus ihren Postfächern zu klauben und zu vernichten, hat der Werbemüll längst zum großen Sprung in die mobile Datenwelt angesetzt. Dabei geht es nicht nur um unerwünschte SMS-Nachrichten. Auch waschechte Spam-E-Mails tauchen – dank multifunktionaler Smartphones –  immer häufiger auf. Mit einer Liste verbotener Domains versucht man in den USA jetzt dem Problem Herr zu werden.
Als Ergänzung zum ‘Can-Spam Act’ hat die Federal Communications Commission (FCC) eine Auflistung von Domain-Namen veröffentlicht, die ausschließlich den Nutzern mobiler Dienste zur Verfügung stehen, beispielsweise cingular.com oder cellular1.net. Ab Anfang März ist es ausdrücklich verboten, an die Nutzer dieser Domains Werbemails zu schicken. Spammer, die sich nicht daran halten, müssen bis zu 11.000 Dollar Strafe zahlen.

Ausgenommen von diesem Verbot sind Werbemails, die von einem Mobilfunknutzer autorisiert wurden oder auch Kundeninformationen, beispielsweise über Produktsicherheit oder den Account-Status. Mit diesen Maßnahmen wollen die US-Behörden mobilen Spam eindämmen, bevor das Problem ähnliche Ausmaße annimmt wie in Japan oder Indien.

Die Liste solle den Versendern solcher Nachrichten deutlich machen, dass es illegal ist, mobilen Spam zu versenden, so Scott Chasin, CTO des Anti-Spam-Spezialisten XM Logic. Bisher erlaubt es der Can-Spam Act Werbetreibenden, Nachrichten an konventionelle E-Mail-Adressen zu adressieren. Gehen solche Nachrichten jedoch auf ein Mobiltelefon entstehen dem Nutzer – je nach gewähltem Tarif – zusätzliche Kosten. Ein Problem, dass die Autoren des Gesetzes durch die Verbotsliste beseitigen wollen.

Ursprünglich hatte der US-Kongress mit einer nationalen Anti-Spam-Liste geliebäugelt, die US-Handelskommission (FTC) hatte den Vorstoß jedoch abgelehnt. Damit werde den Spammern nur eine brauchbare Adressenliste an die Hand gegeben, hieß es. Im Gegensatz zur jetzigen Lösung wollte man nämlich individuelle Adressen zusammenstellen.

Doch auch die jetzige Liste ist nicht unumstritten, bietet sie Spammern doch immerhin noch eine solide Arbeitsgrundlage. So genannte ‘Brute-Force-Attacks’ ließen sich damit wesentlich leichter durchführen, so Chasin. Dabei werden auf gut Glück verschiedene Kombinationen aus Namen und Domains durchprobiert.

“Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, um das Problem zu lösen, bevor es aus dem Ruder läuft”, so Chasin. “Auf der anderen Seite liefert es den Spammern zusätzliche Möglichkeiten, um Anwender mit Werbebotschaften zu überfluten.”

Auch in Deutschland ist es nur noch eine Sache der Zeit, bis das Problem auch Mobilfunk-Nutzer hierzulande verärgert. Mummert Consulting geht davon aus, dass im kommenden Jahr jeder zweite Handynutzer ein Smartphone benutzen wird. Das sei vor allem durch die positive Entwicklung bei UMTS-Handys zu erklären.

Die Hersteller reiben sich schon einmal die Hände und wollen nach eignen Angaben bis zu zwei Drittel ihres Entwicklungsbudgets in die multifunktionalen Geräte investieren. Dabei sollten gerade sie den Schutz ihrer Kunden vor Spam von Anfang an im Auge haben. Eine Studie zu SMS-Spam der Schweizer Universität St. Gallen hat nämlich ergeben, dass die meisten Anwender ihren Mobilfunkprovider wechseln würden, wenn die lästigen Nachrichten überhand nehmen.