PalmOS goes Linux – und wohin treibt PalmSource?

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Das neue Betriebssystem lässt weiter auf sich warten und beim Palm-Entwickler machen sich Auflösungserscheinungen bemerkbar

David Nagel nutzte seinen letzten Auftritt als CEO von PalmSource, um nochmals die Eckpfeiler der künftigen Betriebssystemstrategie auszuleuchten: “Linux ist unsere Plattform für die Zukunft”, bekräftigte er während der Eröffnungsrede der diesjährigen Mobile Summit, der Entwicklerkonferenz von Palm.

Spätestens seit der Akquisition des chinesischen Softwareherstellers China MobileSoft (CMS) steht der Linux-Kernel ganz oben auf der Agenda für die Weiterentwicklung von PalmOS. Das PDA-Betriebssystem braucht dringend eine Generalüberholung, um den heutigen Anforderungen der mobilen Nutzer zu entsprechen. Obwohl die Marschrichtung – Multi-Threading für das Abarbeiten mehrerer Tasks gleichzeitig und mehr Smartphone-Eigenschaften – schon lange klar war, hat sich der Marktführer viel zu viel Zeit gelassen mit der Implementation entsprechender Features in sein Betriebssystem.

Die vor gut einem Jahr angekündigte Version 6, Code-Name ‘Cobalt’, sollte alles richten. Sie soll im ‘Native Mode’, also direkt, auf den neuesten Prozessoren von ARM laufen – im Gegensatz zu den Vorgängern, die eine Extra-Softwareschicht dazwischen brauchen. Die eigenen Entwicklungen sollten durch Softwaremodule des Betriebssystemherstellers Be erweitert werden, der von Palm akquiriert wurde.

Im Dezember letzten Jahres kam dann der Kauf von China MobileSoft, eines Herstellers von Betriebssystemen für Mobiltelefone und Smartphones auf Basis von Linux. Nun soll der ursprüngliche Kernel von Cobalt durch das von CMS für Smartphones angepasste Linux ersetzt werden, während Cobalt dafür sorgen soll, dass alle bisher für den Palm entwickelten Anwendungen auch auf dem neuen Betriebssystem laufen.

So weit, so gut. Nur zeigte sich so manch ein Entwickler auf der Mobile Summit in San José diese Woche ziemlich ungeduldig. Denn obwohl schon seit letztem Jahr die Entwicklergemeinde dazu angehalten wird, in ihren Anwendungen APIs für Cobalt einzubauen, ist das Betriebssystem noch immer nicht auf dem Markt. Weder Palms Smartphone ‘Treo’ noch das jüngst vorgestellte Modell ‘LifeDrive’ laufen mit Cobalt, sondern mit PalmOS 5.4.

Dazu kommt, dass momentan um die Zukunft von PalmSource selbst viel spekuliert wird. Ausgerechnet in der Woche vor der Mobile Summit gab PalmSource bekannt, sich von seinem CEO David Nagel mit sofortiger Wirkung zu trennen. Über die Gründe wird dezent geschwiegen. Immerhin seine Eröffnungsrede konnte er wie geplant abhalten.