2000 Lichtjahre

Enterprise

Gemeinsam ist allen Rauschzuständen, dass einem dabei die Dimensionen etwas durcheinander geraten und dass zwangsweise ein Kater folgt.

Gemeinsam ist allen Rauschzuständen, dass einem dabei die Dimensionen etwas durcheinander geraten und dass zwangsweise ein Kater folgt. Manchmal endet so eine Sache auch vor Gericht.

Aber selbst dann muss es nicht allzu schlimm ausgehen, wie das Beispiel eines damals 24jährigen zeigt, den die britische Polizei wegen diverser Pillen, die sie bei ihm gefunden hatte, 1967 eine Nacht lang einsperrte. In der Zelle schrieb der Youngster seinerzeit den traurig-schönen Song “2000 light years from home” – die genialste Verkennung realer Größenordnungen in der Kulturgeschichte.

Der damalige Häftling kann mittlerweile als vollständig resozialisiert gelten. Als Sir Michael Philipp Jagger wurde er im Jahr 2003 sogar in den Adelsstand erhoben.

Und der Fall seines Geschäftspartners Keith Richards beweist, welch Unmengen an toxischen Substanzen doch die menschliche Leber abzubauen im Stande ist. Vielleicht erinnern sich die beiden alten Herren gerade heute Abend wieder an die üblen Exzesse ihrer Jugend und spielen bei ihrem Auftritt in Calgary im US-Bundesstaat Alberta in ein paar Stunden das schöne alte Lied von den 2000 Lichtjahren.

Manchmal geht’s aber auch nicht so glimpflich aus und es bleibt was zurück. So laboriert die Infineon immer noch an den Folgen ihres Goldrauschs in der New-Economy-Zeit.

Zur Erklärung: Infineon ist die ehemalige Halbleitersparte des altehrwürdigen Kraftwerk- und Glühbirnen-Konzerns Siemens. Seit einigen Jahren ist Infineon selbständig und produziert seitdem im Wesentlichen rote Zahlen, Skandale und – ach ja – auch noch ein paar Chips.

Infineon ist noch immer nicht zurück in der nüchternen Realität. Was auch nicht verwundert, so wie die damals – angetörnt von halluzinogenen Börsenkursen – abgehoben sind.

Gleich am ersten Handelstag für die Papiere des Konzerns, dem 13. März 2000, verdoppelte sich dessen zusammenphantasierter Wert auf fast 50 Milliarden Euro. Später verlor er davon wieder 90 Prozent.

Einen Horrortrip nennt man sowas wohl in der Szene. Und die übelste Szene ist allemal die Börse.

Am härtesten drauf sind meist die Sprösslinge aus gutem Hause. Infineon standen lange Andreas von Zitzewitz und der Unternehmersohn Ulrich Schumacher vor.

Die haben’s besonders toll getrieben. Beide haben sie inzwischen das Unternehmen unfreiwillig verlassen.

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