Auf der Suche nach der Killer-Applikation

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Die 64-Bit-Architektur wird endlich für die breite Masse erschwinglich. Krücken und Notlösungen gehören der Vergangenheit an.

Mit der Verfügbarkeit von x64-Versionen des Microsoft-Betriebssystems Windows 2003 eröffnen sich neue Möglichkeiten für den Einsatz preiswerter Server, Workstations und Desktops auf der Basis von x64-Prozessoren. Das Angebot wird breiter, die Auswahl zugleich flexibler und schwieriger.

Was hat ein IT-Verantwortlicher davon? Soll er bei bewährten Unix-Midrange-Lösungen bleiben, für die er viel Geld investiert hat und für die Tausende von 64-Bit-Programmen existieren? Soll er billigere Windows-kompatible Opteron- oder Xeon-Server wählen und in Kauf nehmen, dass seine Applikation vielleicht noch nicht in 64-Bit verfügbar ist? Soll er auf PowerPC setzen oder doch besser abwarten?

Für viele dürfte die Antwort “sowohl als auch” lauten. Denn wenn 64-Bit-Rechner nur noch geringfügig billiger sind als 32-Bit-Varianten, greift wohl jeder zum leistungsfähigeren System. Aber die entscheidende Frage muss heißen: Welche Applikationen profitieren davon am meisten? “Es dürften die Applikationen sein, die am rechenintensivsten sind und jede Menge Speicher benötigen”, bringt es Klaus Hübner, Systems Engineer bei Novell SuSE Linux, auf den Punkt.

An erster Stelle stehen hier Datenbanken, da sind sich Hersteller wie IBM, Oracle, Microsoft oder Intel einig. Im gleichen Atemzug werden geschäftskritische Anwendungen genannt wie Data Warehouse, Business Intelligence, ERP, Softwareentwicklung, Multimedia sowie CAD-Software. In allen diesen Bereichen mussten sich die Anwender bislang oft mit Krücken behelfen, die Zahl der Nutzer drastisch begrenzen oder auf bestimmte Auswertungen oder Berechnungen ganz verzichten. Damit ist jetzt Schluss.

Speichergrenze bei Datenbanken aufgehoben

Beispiel Datenbanken: “Für uns ist die 64-Bit-Plattform mit 64-Bit-Windows sehr interessant”, freut sich Günther Stürner, Vice President Sales Consulting und Leiter des Geschäftsbereichs Datenbanken. Die 32-Bit-Speichergrenze sei schon lange ein Problem gewesen. Die Vorteile lägen auf der Hand: Man könne große Datenbank-Analysen für wesentlich mehr User gleichzeitig verfügbar machen – bei besserer Skalierung und höherer Performance.

“64-Bit ist für unsere Mitglieder extrem wichtig”, ergänzt Rolf Scheuch, stellvertretender Vorsitzender der DOAG (Deutsche Oracle User Group). Für IT-Verantwortliche bedeutet das: “Hauptspeicherkonfigurationen, die zweistellige GB-Zahlen erreichen und für die (zum Beispiel bei Data Warehousing) die Unterstützung von sehr vielen Benutzern erforderlich sind, können nunmehr mit ‘PC-Hardware’ angegangen werden”, so Scheuch. Einige Unternehmen würden dies bereits nutzen, etwa auf Enterprise Linux-Plattformen mit den 64-Bit-Versionen von Oracle.

Beispiel Software-Entwicklung: Hier rechnet Stürner damit, dass die Programme noch mächtiger und komplexer werden, da die Programmierer sorgloser mit den Ressourcen umgehen werden. Für den Bereich Open Source sieht Hübner von Novell/Suse ebenfalls positive Auswirkungen: “Die Entwickler sind sehr froh darüber, dass 64-Bit-Rechner jetzt so erschwinglich sind.”

Beispiel Analyse und Simulation im Motor- und Karosserie-Design: Um das Design neuer Modelle zu beschleunigen, setzt das Renault Formel 1 Team auf x64-Server von IBM und Speichersysteme unter Suse Linux. Die Zeiten für die rechnergestützte Analyse von Motor und Karosserie würden sich damit um bis zu 90 Prozent verringern, so die Aussage. Für die Analyse kommt ein e1350 Cluster mit Linux als Betriebssystem und AMD-Opteron-Prozessoren zum Einsatz. “Wenn 12 Server parallel arbeiten, schaffen sie eine Simulation heute in 18 Stunden statt früher in drei Wochen”, so Christophe Verdier, IT-Direktor des Renault Formel 1 Teams.

Größtes Wachstum bei Terminal Server

Beispiel Flugzeug-Entwicklung: Vor allem in diesem Bereich mussten sich Anwender bislang mit Notlösungen behelfen, wie Microsoft-Manager Martin Ullrich von einem Partnerunternehmen weiß. “So war es beispielsweise nicht möglich, alle Daten eines Flugzeugs mit 200.000 Teilen in den Speicher zu laden. Mit sehr teurer Hardware wäre das technisch möglich gewesen, aber die können sich kleine Unternehmen nicht leisten. Jetzt lässt sich dieses Problem auch mit preiswerten x64-Servern lösen.”

Beispiel Client/Host-Computing: Geradezu ins Schwärmen gerät Microsoft bei den Leistungsverbesserungen für Windows Terminal Server. In seiner Eröffnungsrede zur Entwicklerkonferenz WinHEC Ende April in Seattle sprach Bill Gates von einer “dramatischen” Steigerung um das 2,7-Fache. “Das kurzfristig größte Wachstum erwarten wir beim Einsatz der Windows Server x64 Edition für Active Directory oder Terminal Services sowie im Bereich Business Intelligence”, bestätigt Ullrich.

Der Softwareriese nutzte die WinHEC für die Freigabe von x64-Windows. Innerhalb der nächsten zwölf Monate sollen laut Microsoft mehr als 400 Applikationen für x64-Windows verfügbar werden. Bis jetzt sind es rund 130 Softwareprodukte, die der Hersteller auf seiner Web-Site veröffentlicht hat. Zu den Unterstützern gehören Unternehmen wie Avid Softimage, BEA Systems, BMC, Citrix Systems, EMC, IBM, McAfee, Oracle, Symantec, Veritas Software und andere.