Putzkolonne auf dem Piratenschiff

E-GovernmentManagementRegulierung

Mit einer medienwirksamen Veranstaltung hat die Business Software Alliance auf das Problem der Raubkopien auf dem Softwaremarkt hingewiesen.

Mit einer medienwirksamen Veranstaltung hat die Business Software Alliance (BSA) auf das Problem der Raubkopien auf dem Softwaremarkt hingewiesen. Die Organisation übergab insgesamt 7000 Raubkopien von vorwiegend Microsoft-Produkten dem Schredder.

So wolle die BSA dem eigens auferlegten Aufklärungsauftrag nachkommen, sagte Georg Herrnleben, Regionalmanger für Zentraleuropa der BSA. Nur wenn man immer wieder an die Öffentlichkeit gehe und auf die Missstände aufmerksam mache, würde sich etwas bewegen. Das Problem nehme dramatisch zu, lautete die inzwischen bekannte Kernaussage aller Referenten auf der Pressekonferenz. Herrnleben berichtete von einem Feldversuch, den die BSA zusammen mit den Marktforschern von IDC durchgeführt habe. Der ergab, dass pro Woche Millionen von Dollar durch die illegale Verbreitung von gebrannter Software an der legalen Wirtschaft vorbeigelenkt würden.

Mitverantwortlich für das stete Wachstum des Schwarzmarktes seien die immer noch existierenden “Piratenhäfen”. Das sind die Länder, in denen Raubkopierer wenig oder gar nicht verfolgt werden und dort ungestraft ‘arbeiteten’. Er forderte eine einheitliche Ermittlungspraxis und gleich hohe Strafen für Urheberrechtsverletzer. Am häufigsten schwappten derzeit Raubkopien aus den neuen EU-Staaten auf den deutschen Markt.

Kriminalhauptkommissar Jürgen Müller vom Polizeipräsidium München dachte ebenfalls laut über Strafen nach. Allerdings sprach er diejenigen an, die die illegal erworbene Software einsetzten. Nur so genannte “Gewinnabschöpfungsmaßnahmen” seien ein probates Mittel gegen die laxe Handhabung, beispielsweise in Unternehmen. Dass dort wenige Lizenzüberprüfungen stattfinden, hat auch IDC ermittelt. In einer Umfrage gaben 25 Prozent an, nie ihre Lizenzen zu überprüfen, 31 Prozent tun dies einmal im Jahr oder weniger, 27 Prozent alle sechs Monate, 6 Prozent überprüfen vierteljährlich und immerhin 11 Prozent kümmern sich mehr als einmal im Quartal um ihre Anwendungslizenzen.

Dass die Strafen hoch sein können beweist eine Jahresbilanz. Im Jahr 2003 mussten Unternehmen insgesamt 4 Millionen  Euro Schadensersatz zahlen. Im Einzelnen wurden zwischen 10.000 und 300.000 Euro fällig. Dennoch hätten viele die Gefahr noch nicht erkannt oder nähmen sie nicht ernst, so Herrnleben.

Woher denn die BSA Hinweise auf illegale Software bekomme, wurde Herrnleben gefragt. Und dann erzählte er die Geschichte vom geschassten IT-Administrator, der mehrmals zur Geschäftsleitung gegangen war, um auf die Raubkopien in seinem Unternehmen hinzuweisen. Er wurde immer wieder weggeschickt. Er sei schließlich da, um Kosten zu senken, anstatt sie zu verursachen, soll der Geschäftsführer gesagt haben. Als er aber nicht klein beigeben wollte – verständlicherweise, denn ohne Lizenz gibt der Hersteller keinen Support und der Dumme ist dann immer der Admin – wurde er zunächst abgemahnt und schließlich entlassen. Grund: er schädige das Betriebsklima.

Abenteuerlich, aber glaubwürdig angesichts leerer Kassen und einer stagnierenden Volkswirtschaft, die erst langsam merkt, dass es anders gehen muss, will man wieder auf die Füße kommen. Der BSA-Mann forderte denn auch die jungen Leute auf, nicht in die Software-Piraterie einzusteigen, um ihr Taschengeld aufzubessern. “Sie sägen am eigenen Ast”, sagte er. Geistiges Eigentum sei eines der wenigen “Exportschlager” in Deutschland. Der dürfe nicht durch verbotene Handlungen zunichte gemacht werden.