Ende des 0190er-Bereichs pusht Geschäftsmodelle in Deutschland

Management

Die Migration der 0190-Servicerufnummern, von deren Betrieb eine ganze Teilbranche lebt, soll zum Jahreswechsel vonstatten gehen.

Die Migration der 0190-Servicerufnummern, von deren Betrieb eine ganze Teilbranche lebt, soll zum Jahreswechsel vonstatten gehen. Die Rufnummern werden in der Silvesternacht 2005/2006 planmäßig abgeschaltet und auf 0 900- Nummern umgeschaltet. Die Branche freut sich auf mehr Flexibilität.

Christoph Kurpinski, Vorstandssprecher des TK-Anbieters dtms AG, freut sich über die Migration auf den neuen Bereich. “Wir haben bald in Deutschland das weltweit flexibelste Tarifierungssystem für Diensterufnummern, der 0190-Bereich war sehr starr, jetzt können wir transparente Kosten und contentbasierte Preise anbieten. Das wird zu einem Boom an neuen Geschäftsmodellen führen”, sagt er im Gespräch mit silicon.de. Derzeit, so führt er an, müsse ein Anbieter für beispielsweise zehn verschiedene Dienste auch zehn verschiedene physische Call-Center-Bereiche betreiben – ab dem 1. Januar 2006 erlaube die Tarifierung und Transparenz durch Endnummer ein einfacheres und effektiveres Angebot, das noch dazu für die Kunden verständlicher sei.

Er spricht von der Bezifferung der 0900-Nummern: Endnummer eins steht dabei für Informationen, drei für Unterhaltung und so weiter. Dazu kommt, dass die Preise in der Werbung deutlich lesbar angebeben sein müssen und die Anrufe bis zum Durchschalten zum gewünschten Dienst kostenfrei bleiben können. Kurpinski sieht durch diesen Zuwachs an Kundenfreundlichkeit einen Boom für die Branche.

Für die mittelfristige Zukunft kann er sich sogar vorstellen, dass neben den klassischen Diensteanbietern auch Unternehmen ihre eigenen abgetrennten 0900-Gassen als echte Firmenportale im TK-Netz belegen und beispielsweise Mitarbeitertelefonie darüber abwickeln. Schließlich, so sagt er, könne der Dienst auch kostenfrei sein. Ein weiterer Vorteil in seinen Augen: “Nirgends auf der Welt gibt es jetzt eine so fein einstellbare Tarifierung, die direkt im Netz realisiert wird, ohne zusätzliche Hardware-Kosten für den Kunden.”

In einem Positionspapier der Branche, das silicon.de vorliegt, klingt aber auch ein Wermutstropfen an: “Dieser technische Befreiungsschlag für den alternativen Wettbewerb gilt allerdings vorerst nur für das Festnetz. Die Mobilfunker bleiben auch im Bereich 0900 bei der alten Online-Billing-Welt.” Das ist so, weil bisher nur im Festnetz einzelne Abschnitte für gesonderte Tarifierung definierbar sind. Nur hier ist es möglich, beispielsweise auch mitten im Gespräch durch besondere Eingabe die Tarifierung zu ändern – in der Mobilfunkbranche wird derzeit immer noch jeder Groschen mit der Terminierung verdient, also dem erfolgreichen Verbindungsaufbau. Auf solche einzelnen Netzabschnitte und gesonderte Dienste ist die Technik noch nicht eingestellt.