Lohnen sich Versicherungen gegen IT-Risiken?

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Spezielle IT-Versicherungen für Anwenderunternehmen haben sich in den vergangenen Jahren eher als Rohrkrepierer erwiesen. Was beinhalten sie wirklich?

Betriebshaftpflichtversicherungen sind für Unternehmen in Deutschland Standard. Spezielle IT-Versicherungen für Anwenderunternehmen haben sich dagegen in den vergangenen Jahren eher als Rohrkrepierer erwiesen. “Da die Nachfrage für solche Versicherungen gen null tendierte, haben wir sie aus unserer Angebotspalette gestrichen”, antwortet beispielsweise der Vertriebschef eines Security-Dienstleisters, der früher in Zusammenarbeit mit einer Versicherungsgesellschaft auch Policen für IT-Risiken im Portfolio hatte.

Versicherungen äußern sich nur ungern zur Nachfrage nach bestimmten Produkten. Man könne keine Prognose für den künftigen Bedarf an IT-Versicherungen abgeben und im Übrigen unterliege auch die Versicherungsbranche der allgemeinen Konjunktur- und Marktentwicklung, ist beispielsweise die Antwort der Allianz. Das Unternehmen hat eine so genannte Elektronikversicherung im Angebot, die sich auf Hardware, Software und Daten erstreckt.

Der Versicherungsfall bei der Hardware umfasst beispielsweise Einbruchdiebstahl, Feuer oder Wasserschäden. Verursacht eine umgestoßene Tasse einen Kurzschluss an einem Notebook, so ist dies ebenfalls versichert. Löscht ein Mitarbeiter nach dem Kopieren von Projektdateien in ein anderes Verzeichnis vorschnell den ursprünglichen Ordner, obwohl er noch nicht alle Files kopiert hat, ist dies ebenfalls ein Versicherungsfall. Erst durch den Versicherungszusatz “Betriebsunterbrechung” kann sich ein Unternehmen aber auch wegen eines entgangenen Betriebsgewinns und der laufenden Geschäftskosten versichern, das es durch die Schäden an den IT-Systemen nicht erwirtschaften konnte.

Wann tritt der Versicherungsfall ein?

Im Rahmen der Elektronikversicherung wirbt die Allianz in einer Broschüre auch für ein ‘Internet-Extra’, das “mehr Sicherheit im Internetgeschäft” bieten soll. Die Allianz haftet dann unter anderem für Vermögensschäden durch Kreditkartenmissbrauch, durch Page-Jacking und -Hacking sowie bei Vermögensschäden durch die widerrechtliche Nutzung des Internetzugangs des versicherten Unternehmens. Man entwickle jedoch derzeit ein neues Produkt, bei dem der Deckungsbaustein ‘Internet-Extra’ entfalle, so die Allianz.

Michael Karger von der Rechtsanwaltskanzlei Wendler Tremml in München arbeitet als Spezialist für Haftungsfragen rund um die Unternehmens-IT. Seiner Einschätzung nach gibt es nur wenige Anbieter von IT-Versicherungen, die sich an Anwenderunternehmen richten. “Das sind sehr komplexe Policen, die auch nur schwer standardisierbar sind”, nennt er einen der Gründe dafür. Zudem entwickle sich Hard- und Software sehr dynamisch, was die Versicherer vor zusätzliche Probleme stelle, wenn es um die Einschätzung von Gefährdungspotenzialen gehe. “Die Informationstechnik ist eben sehr vielschichtig, weshalb ihre Risiken nur schwer zu kalkulieren sind”, sagt er.