CeBIT als Fremdsprache: Wozu Buchstaben fähig sind

Management

Die Messe war weniger ein Feuerwerk an neuen Produkten denn an Begriffsknallern, schillerndem Jargon und klobigen Akronymen. Eine Zusammenfassung.

Die CeBIT ist zu Ende und was haben wir gelernt? Man muss schon fit sein im Knowledge-Management, um herauszufiltern: Es ist nicht einfacher geworden, die Sprache der Administratoren, Hersteller, Marketing-Leute zu verstehen. Leicht haben sie es uns nie gemacht, aber in diesem Jahr war es besonders auffällig.

Das mag an den sogenannten Trendthemen gelegen haben. In Hannover ohne Punkt und Komma zu hören waren beispielsweise die Business-Anwendungen. ERP, PPS, WWS, CRM, BI, EAI, BPM, BPO, CSM, BPEL, CMS, ECM sind enorm wichtig, will man “zielorientiert” arbeiten, “Potenziale transparent und nutzbar machen”, um “effiziente Geschäftsprozesse” zu erreichen mit dem Ziel, die “kontinuierlichen Anwendungen eines durchgängigen Geschäftsprozessmanagements” zu gewährleisten. Wer will da noch widersprechen?

Der gemeine Besucher mag sich bei deutschen Begrifflichkeiten möglicherweise noch zusammenreimen, was das Marketing und der Erfinder gemeint haben könnte mit einer “produktionsbegleitenden Konstruktion, die das Auftragsstücklistenarchiv als Basis für eine optimale Ersatzteilabwicklung sowie die Vorabdisposition von Langläuferteilen” ansieht. Wird schon stimmen.

Bei englischsprachigen Wortgefechten steigt dagegen selbst so mancher Muttersprachler aus. Beispielsweise existiert eine Dienstleistung, die sich HVPLS (Hierarchical Virtual Private LAN Services) nennt. Sie soll dafür sorgen, dass “Triple Play-Dienste” qualitativ hochwertig sind, was aber nur sein kann, wenn Double-Density Line-Cards in der Router-Plattform stecken, Dual Homed Edge- und MTU-Geräte (Maximum Multi-Tenant Transport Unit) unterstützt sowie VPLS-Netzwerken mit HVPLS OAM (Organisation Operation Administration and Management Maintenance) eingerichtet sind und verwaltet werden. Und wer ist am Ende besser dran, der Amerikaner oder der Deutsche, wenn Buchstabenhügel und Mischgebilde wie “embedded Datenbanken” und “visuellen Entwicklungstools” fallen?

Wie immer auf der Messe war auch hier die Rede von den NGNs. Tja, wer Up-to-Date sein will, der weiß, dass NGNs Alleskönner sind. Sie haben keine Probleme mit HTTP, SMTP, POP3, IMAP4, FTP, NNTP und SOCKS oder mit SRTP, SIPS, VoIP und CTI. Sie unterscheiden vielleicht noch zwischen Enterprise und KMU, wahlweise auch SMB, aber sonst? Sie integrieren IPS, IDS und DRM, zur Sicherheit – den DRM-Standard hat übrigens die OMA entwickelt – ergänzend zum Bereich “Device Attached Security” und werden voraussichtlich die Ergebnisse der Leute von OASIS nutzen können, die für die Standardisierung von SAML zuständig sind.