SAP und Intel kooperieren für RFID

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Zum Versuch, Retek zu übernehmen schweigt sich die SAP-Führung noch aus, dennoch tun sich für das Walldorfer Unternehmen in Übersee neue Perspektiven auf.

Oft wüssten Journalisten mehr als die beteiligten Unternehmen, so Henning Kagermann auf der CeBIT zu dem Bieterstreit mit Oracle um den Retailer Retek. Sein Unternehmen werde jedoch zunächst die Antwort des Retailers abwarten, bis dahin könne man noch keinen Kommentar abgeben. Immerhin ließ er durchblicken, dass der Retail-Markt in den USA durchaus attraktiv für sein Unternehmen sei. Zwei andere Ankündigungen auf der CeBIT in Hannover hatten da etwas mehr Substanz.

Zusammen mit dem Chiphersteller Intel will SAP die Implementierung von RFID-Technologien (Radio Frequency Identification) vereinfachen. Dabei sollen Anwender ihre RFID-Daten direkt in ihre Backend-Systeme überführen können. Die neu geschaffene Umgebung sei quasi eine ‘Plug and Play’-Lösung für alle Eingabegeräte wie Desktops, oder andere RFID-Lesegeräte und soll zudem der Verbreitung der neuen Technologie Vorschub leisten. Daneben kündigte SAP die neue Version von mySAP ERP an, die Software könne jetzt noch besser auf die NetWeaver-Plattform zugreifen.

“Es gibt einen RFID-Markt, aber dieser hebt nicht so ab, wie wir das erwartet haben”, erklärte Henning Kagermann, Vorstandsprecher der SAP auf der CeBIT. Grund für die eher schleppende Entwicklung sei die Vielzahl von verschiedenen Lösungsansätzen. “Daher ist die Zusammenarbeit mit Intel wichtig”, so Kagermann, “um einheitliche Standards zu etablieren.”

Die Anwender können die RFID-Anbindung entweder direkt in ihre Backend-Systeme und -Geschäftsprozesse integrieren, oder das Management der Hardwareumgebungen spezialisierten Partnern überlassen. Letzteres eigne sich besonders für Unternehmen mit komplexen Geschäfts- und Systemumfeldern, denn auf diese Weise ließen sich auch verschiedene Geräte von unterschiedlichen Anbietern bündeln. So will der ERP-Softwareanbieter auch hier mit externen Partnern zusammenarbeiten, um Steuerungs- und Überwachungsfunktionen für die SAP Auto-ID-Infrastruktur zu ermöglichen. Prozesse entlang der Logistikkette, wie etwa der Lagerverwaltung, Transport oder der Materialwirtschaft lassen mit mySAP Supply Chain Management unterstützen.

Die Lösung setzt dabei im Backend auf Intel-basierten Servern auf. Im Frontend werden auch Produkte anderer Hersteller unterstützt. Der Halbleiterhersteller Intel wird zudem eine Lösung für Device-Management auf der NetWeaver-Plattform bereitstellen. Denn derzeit treiben laut SAP vor allem komplexe Hardwarearchitekturen sowie viele verschiedene proprietäre Systemarchitekturen die Preise für RFID-Implementierungen in die Höhe. Nicht zuletzt seien auch die RFID-Chips noch recht teuer. Dennoch erwartet das Unternehmen für die Zukunft hier ein starkes Wachstum, da schon viele Unternehmen, Installationen planten.

Die neue Version von mySAP ERP ist nun schon einen Monat früher verfügbar als ursprünglich geplant. Neu an dem Release ist, dass die Software jetzt im vollem Umfang auf die NetWeaver-Plattform zugreifen kann. In der ERP-Software sind analytische Anwendungen zur Entscheidungsfindung zusammengefasst. So lassen sich beispielsweise Finanzwesen, Personalmanagement oder auch Reisemanagement mit der Lösung abbilden und integrieren. Wie SAP mitteilt, könnten Unternehmen schneller auf veränderte Anforderungen reagieren. Und Bedarf für die Lösung scheint zu bestehen.

Seit dem dritten Quartal 2004 wurden über 1000 neue Verträge für mySAP ERP geschlossen. Rund 70 Prozent mit mittelständischen Unternehmen. “Wir sind mit unseren Ergebnissen für den Mittelstand zufrieden”, so Kagermann bei einem Roundtable mit Journalisten. Jedoch wolle sein Unternehmen sich nicht noch weiter für noch kleinere Unternehmen öffnen. Bei fünf bis zehn Angestellten sei Schluss. “Das Ganze ist einerseits eine Frage des Channels und andererseits der Produkte”, so Kagermann. SAP müsste für dieses neue Segment nicht nur die Produkte anpassen, sondern auch die Vertriebskanäle umbauen.

Trotz des Retek-Wirrwarrs und der Übernahme von Peoplesoft durch Oracle bleibe der US-Markt für SAP interessant. “Man kann zwei Monate nach dem Merger noch keine Resultate sehen”, so der SAP-Vorstandssprecher. Es ließen sich jetzt aufgrund der Unwägbarkeiten durch die Übernahme noch keine Trends bei Kunden feststellen. Jedoch bringt diese Unsicherheit andere Vorteile für SAP. “Viele Menschen bewerben sich jetzt um eine Stelle bei SAP”, daher könne das Unternehmen jetzt über sehr viele gute Talente verfügen.

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