IBM will angeblich den Itanium über Bord werfen

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Nach einer großen Liebe sah es zwischen IBM und Itanium ohnehin nie aus, jetzt könnte endgültig Schluss sein – schuld daran ist der eifersüchtige Power-Prozessor.

IBM will nicht nur den Itanium-Support für künftige Servergenerationen aussetzen, sondern wohl auch noch die Itanium-Server aus dem Lieferprogramm nehmen – schenkt man den Gerüchten Glauben, die aus gut informierten Kreisen stammen sollen. Wirklich euphorisch, wie etwa Itanium-Mitentwickler Hewlett-Packard oder Dell, war IBM in der Itanium-Frage ohnehin nie. Einziger Vertreter seiner Art ist der IBM-Server ‘x455’, und der könnte bald zum Auslaufmodell werden. Auf Anfrage von silicon.de hieß es heute aus der IBM-Konzernzentrale nur: “Kein Kommentar”.

Andere Quellen wissen zu berichten, dass es für den Montecito, den leistungsfähigen Dual-Core Itanium, wohl keinen Support bei IBM mehr geben wird. Er wird für Ende 2005 erwartet. Mit zwei Kernen kann er simultan zwei Instruktionssequenzen, genannt Threads, abarbeiten. Das klingt eigentlich ganz gut – in den Ohren einiger IBM-Manager vermutlich fast schon zu gut. Denn auch der hauseigene Power 5 hat solche Funktionen vorzuweisen. Mit Itanium-Servern im Portfolio steht sich IBM bei den High-end Server sozusagen auf den eigenen Füßen. Denn hier will Big Blue ja seine Eigene CPU an den Mann bringen.

Nachdem HP seinen PA-RISC zu Gunsten der Intel-CPU aufgekündigt hat, bleiben hier eigentlich neben dem SPARC-Prozessor von Sun Microsystems nur der Itanium und der Power. “Das macht es jetzt offiziell, was schon lang Realität ist”, erklärte Gordon Haff, Analyst bei dem Marktforschungsunternehmen Illuminata, gegenüber US-Medien. “Sie haben jetzt klar gemacht, dass sie es sehr ernst damit meinen, Power zu einer wirklich weit verbreiteten Computer-Architektur zu machen.”

Was Big Blue nicht davon abhält, weiterhin Xeon-Server mit und ohne 64-Bit-Erweiterungen anzubieten. Aber bei den x86-Serven ist die Konkurrenz zur eigenen CPU wohl nicht so spürbar. So hat IBM eine neue Version des Chipsatzes X3 vorgestellt. Diese unterstützt zwar Xeon, aber nicht Itanium. Die Vorgängermodelle hatten Support für beide Prozessoren. Wie Tom Bradicich, CTO von IBMs xSeries erklärte, war das “wegen der Marktakzeptanz des Itaniums, beziehungsweise wegen dem Mangel an solcher”. Dennoch könnte die Unterstützung für den Itanium in einer nächsten Version wieder aktiviert werden.

Für einen neuen Itanium-Server müsste IBM dann also auf das Intel-Chipset 8870, oder ein Chipset eines Konkurrenten wie HP, NEC oder Unisys zurückgreifen, was eher unwahrscheinlich ist. “Das 8870 ist sicherlich kein Jungspund mehr”, erklärte Intel-Sprecher Christian Anderka gegenüber silicon.de. Die letzte Version des Chip-Sets für den Itanium stammt aus dem Jahr 2002. “In diesem Bereich gibt es eher eine behutsame Weiterentwicklung”, kommentierte Anderka, daher seien diese Produkt-Zyklen, vor allem in Hinblick auf andere Hersteller, durchaus im Rahmen. Dennoch, so Anderka, werde es in der nächsten Zeit eine neue Plattform für den Itanium geben. Er konnte aber nicht spezifizieren, ob es noch zusammen mit dem ‘Montecito’ Ende 2005 veröffentlicht werde.

Die Gerüchte um IBMs Pläne konnte der Intel-Sprecher nicht kommentieren. Aber nachdem diese Nachricht nicht von HP stammt, ist man bei dem Halbleiterhersteller für den Itanium recht optimistisch. “HP ist der stärkste Itanium-Lieferant und der Itanium adressiert einen sehr schnell wachsenden Markt”, erklärte Anderka. Er vermutet, dass hier ein Marktvolumen von etwa 21 Millarden Dollar schlummert. Und in diesen RISC-Markt dränge nun der Itanium vor. So teilt sich jetzt der Umsatz bei Servern des Unternehmen zu etwa gleichen Teilen zwischen x86- (Xeon) und ‘RISC’-Architektur (Itanium) auf. “Das heißt, dass wir mit viel geringeren Stückzahlen mit dem Itanium den gleichen Umsatz erzielen wie mit Xeon”, erklärt Anderka. Sein Unternehmen sei daher “recht zuversichtlich”.

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