USA sponsert Lauschangriff auf VoIP

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Die amerikanische Regierung unterstützt jetzt finanziell ein Projekt, an dessen Ende eine Abhörsoftware für das Internet stehen könnte

Wer – aus welchen Gründen auch immer – beim Telefonieren verschleiern will, mit wem er da redet, der kommuniziert heutzutage über das Internet mit Hilfe von Voice-over-IP (VoIP). Mit diesem Sicherheitspolster könnte es bald vorbei sein, denn die amerikanische Regierung unterstützt jetzt finanziell ein Projekt, an dessen Ende eine Abhörsoftware für das Internet und ein neues Hilfsmittel für die Terrorfahndung stehen könnte.

Rund 300.000 Dollar hat die National Science Foundation (NSF) für die Forscher der George Mason University im US-Bundesstaat Virginia diesen Monat für die Entwicklung einer Technologie bereitgestellt, die es erlauben soll, bislang mögliche Identitätsverschleierungen zu umgehen. Derzeit können beispielsweise zwei Nutzer der VoIP-Software Skype ihre Identität verdunkeln, indem sie so genannte Proxy-Anonymizer wie Proxify.us, FindNot.com oder Anonymizer.com einsetzen. Ist ein solcher Server dazwischen geschaltet kann ein Abhörorgan den Kommunikationsweg lediglich bis zum Anonymizer verfolgen. Das heißt, mit wem der Belauschte telefoniert, erfährt niemand. Mit Skype sei ein Prototyp bereits getestet worden.

Xinyuan Wang, einer der Forscher, berichtete jetzt in der US-Presse von dem Verfahren, bei dem es völlig egal ist, ob die Nutzer einen Anonymisierer verwenden oder nicht. Eine Art “Wasserzeichen”, wie Wang es nennt, wird in die Skype-Signatur integriert. Es ist für den Anwender nicht zu entdecken und verfolgt den Weg der Datenpakete bis zu ihrem Ziel. Auf der gesamten Strecke kann so der Absender identifiziert werden. Die Technik arbeitet mit zeitverzögert gesendeten Skype-Datenpaketen, so dass keine spürbare zusätzliche Bandbreite verbraucht wird, die den Belauschten möglicherweise warnen könnte.

Das Ganze sei “sehr subtil”, so Wang, und er gibt auch zu, dass es ein Eingriff in die Privatsphäre des Einzelnen ist. Allerdings steht er eher auf der Seite der Polizei und anderer Strafverfolgungsbehörden, die auf diese Weise Straftätern und Terroristen auf die Spur kommen könnten. Die Entwickler hoffen, mit der Lösung einen würdigen Nachfolger für die Schnüffelsoftware Carnivore gefunden zu haben. Schützenhilfe kommt außerdem von der FCC (Federal Communications Commission), die am Freitag bestimmt hat, dass einige VoIP-Provider ihren Dienst für die Regierungsbehörden abhörbar zu machen haben.

Ob es für die Datenschützer ein Trost ist zu erfahren, dass lediglich die Gesprächspartner und andere Verbindungsdaten ermittelt werden können, nicht aber der Inhalt der Unterhaltung, darf angezweifelt werden. Noch ist die Technologie wenig realitätsnah, müsste man doch die Software des Verdächtigen verändern und weitere Arbeiten vornehmen, damit das System funktioniert. “Die müssen schon wirklich sehr an einer Person interessiert sein, damit sich der Einsatz lohnt”, meinte ein Experte.