Warum sich Linux auf dem Desktop nicht durchsetzen kann

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Server top, Desktop hopp: Nur 1 Prozent der Unternehmen nutzen Open Source auf den Arbeitsplätzen ihrer Mitarbeiter.

Unternehmen schätzen offenbar bei Clients eine einheitliche Plattform. Daher lösen sich auch nur sehr wenige von den angestammten Windows-Installationen. So zumindest begründet das Marktforschungsunternehmen Gartner die Tatsache, dass derzeit nur rund 1 Prozent der Unternehmen mit Linux oder Open-Source-Anwendungen auf den Desktops arbeiten.

Die Gartner-Analysten schätzen, dass auch bis 2008 diese Zahl nicht über 3,2 Prozent steigen wird. “Für die meisten Unternehmen sind die Kosten, von Microsoft Windows wegzugehen, einfach zu hoch und sie überwiegen die Vorteile, die Unternehmen von diesem Schritt erwarten können”, erklärt Michael Silver, Resarch Vice President bei Gartner Client Platforms Group. So hätten große Firmen Hunderte oder gar Tausende Anwendungen, und die Kosten diese zu migrieren oder von Linux-Clients aus erreichbar zu machen, seien gewaltig.

Dennoch sind die Zahlen mit Vorsicht zu genießen, wie die Analysten selbst zugeben. Für die Studie wurden nämlich ausschließlich Besucher von Gartner-Symposien in Florida und Frankreich interviewt.

Auch in Märkten, die sich gerade in der Entwicklung befinden, wie etwa China, habe sich Linux gegenüber Microsoft nicht behaupten können. Ironischerweise ist Linux hier von einem Microsoft-Problem betroffen. “An vielen Orten hat Linux mit billigen Microsoft-Raubkopien zu konkurrieren”, weiß Martin Gilliand, Research Director bei Gartners Client-Gruppe. 

Unternehmen, die auf der grünen Wiese starten, könnten mittlerweile zwischen Linux oder Microsoft wählen, gesteht Gartner der offenen Plattform zu. “Wir glauben, dass die Realität von Open-Source-Software in Sachen Komplexität, Supportkosten und der Verlässlichkeit der Hersteller mehr Ähnlichkeiten als Unterschiede zu Windows-Umgebungen aufweisen”, so Silver. Dazu komme, dass die Welt keine grüne Wiese sei, und weil immer noch viele Anwendungen nicht für Linux verfügbar sind, schrumpfe die Zahl der Unternehmen, für die sich tatsächlich eine Alternative biete. Gemischte Umgebungen seien wiederum für die IT-Manager schwer zu handhaben.

Neben den Unternehmens-Desktops, die seit jeher das Sorgenkind der Linux-Fan-Gemeinde waren, gibt es aber durchaus Bereiche, wo sich quelloffene Systeme etablieren. Das ist der Servermarkt, von dem die Analysten von Bloor Research glauben, dass Linux nun endgültig reif genug ist, um auch in Unternehmen eingesetzt werden zu können. Aber auch Regierungen und öffentliche Verwaltungen haben sich zu einem guten Nährboden für Open-Source-Software entwickelt.

“Open Source gewinnt Land im öffentlichen Sektor”, bestätigt Andrea DiMaio, Research Vice President bei Gartner. Die Verwaltung kalkuliere den Return on Investment anders als der private Bereich. “Zudem spielen auch Überlegungen hinein, bestimmte politische Programme oder die Wirtschaft zu stärken”, erklärt DiMaio. So hätte sich etwa München trotz höherer Kosten für eine Migration auf Linux entschieden. Hier wollte man sich sicherlich auch ein Stück weit von amerikanischen Monopolisten unabhängig machen, wie Silver festhält.

“Linux beweist seine Reife”, titelt Tony Lock, Analyst bei Bloor Research, seine Zusammenfassung der LinuxWorld-Konferenz. Endlich sei die Debatte über den Status von Linux als eine mögliche Plattform für Unternehmenslösungen “gut und wahrlich abgeschlossen”. Die neuen Produkte, Features und Services von Red Hat, IBM oder Hewlett Packard machten das deutlich.

Ankündigungen wie die neuen Features in ‘Red Hat Network’ mit neuen Management- und Sicherheitsfunktionen und Support für Suns Solaris, IBM mit der Initiative ‘Grid and Grow’, oder HP mit mehr als 50 vordefinierten und preisfixierten Angeboten für Linux-Dienste zeigten, dass Open Source kein technologielastiges Spielzeug mehr ist. “Linux-Dienstleister bieten nicht mehr einfach Technologie-Features an, sondern gehen dazu über, brauchbare Lösungen für klassische Geschäftsaufgaben zu liefern.”

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