Logische Probleme

Enterprise

Der Informatiker ist sozial: Er hält sich an die gültigen Regeln, deren vornehmste jene der Logik ist. Er ist eher scheu und neigt etwas zur Ängstlichkeit, schon allein deshalb, weil Mut ja meist nichts anderes ist als ein Mangel an Intelligenz.

Der Informatiker ist sozial: Er hält sich an die gültigen Regeln, deren vornehmste jene der Logik ist. Er ist eher scheu und neigt etwas zur Ängstlichkeit, schon allein deshalb, weil Mut ja meist nichts anderes ist als ein Mangel an Intelligenz.

Von Grob- und Gemeinheiten hält sich der Informatikertyp fern und zieht sich statt dessen lieber in die beschauliche Atmosphäre zurück, die seinen Computer umgibt. Computer sind schön, weil sie einfach sind.

Alle Schwierigkeiten, die man gelegentlich damit haben mag, lassen auf einen fehlenden Eintrag in irgendeiner Datei, einen falsch gesetzten Jumper, einen Programmierfehler oder ähnliches zurückführen. Alles hat einen eindeutig benennbaren Grund. Deshalb kann, wer die evidenten Regeln der IT beachtet, jedes Computerproblem lösen.

Dafür verdienen Rechner es, geliebt zu werden. Der Archetyp des Informatikers, Linus Torvalds, beschreibt in seiner Autobiographie seinen Computer so: “Er ist eine Welt für sich, in der die Logik regiert.” (Linus Torvalds: Just for Fun, 2001, Seite 18)

Auch Menschen, die nichts mit Computern zu tun haben, können dieser sympathischen Spezies angehören. Jeder, der klug, konfliktscheu und überhaupt ein angenehmer Mensch ist, fällt in diese Kategorie.

Was das Idyll des Informatikers zuweilen aber doch sehr stört, ist, dass auch Ereignisse aus nicht von der Logik regierten Welten in die seine hinüberschwappen können – in Form von Web-Sites wie www.itu.int/wsis oder www.wir-wollen-franz.de.

Darauf geht’s um Politik. Diese kann einfach oder kompliziert sein. Auf jeden Fall aber ist sie unlogisch und unschön.

www.itu.int/wsis etwa ist die Site des Weltgipfels der Informationsgesellschaft nächste Woche in Tunis. Dort werden sich die USA und der Rest der Welt darüber streiten, wer Zugriff auf die Root-Zone-Files des Internet-Domain-Name-Systems hat. Wer da drin steht, ist über das Netz erreichbar. Wer nicht, bleibt außen vor.

Die USA finden, dass ausschließlich ihnen dieses Recht zusteht. Die andern sehen’s naturgemäß anders.

Unlogisch ist dieser Händel insoweit, als dass die Root-Zone-Files von Rechnern auf allen Kontinenten gespiegelt werden. Also unabhängig vom Ausgang der hochpolitischen Kabbelei kann niemand irgendwen aus dem Cyberspace aussperren. Einfach wiederum ist er, weil so nun mal die internationale Politik funktioniert: Es geht um Symbole, Fahnen und Root-Zone-Files.

Unschön schließlich ist, dass der Gipfel ursprünglich eigentlich die digitale Spaltung der Welt diskutieren sollte. Diese Debatte aber wird wohl nicht stattfinden – wegen der Root-Zone-Files.

Die in HTML gegossene Manifestation politischer Komplexität wiederum ist die Site www.wir-wollen-franz.de. Mehrere tausend Unterstützer haben sich dort innerhalb nur weniger Stunden eingetragen. Darunter auch welche, die unter den Nicknames Angela Merkel und George W. Bush unterwegs waren.

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