Microsoft-Chefs geben zu, Trends verschlafen zu haben

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Die Führungsriege von Microsoft hat in erstaunlicher Deutlichkeit eingestanden, einige Trends verpasst zu haben.

Die Führungsriege von Microsoft hat in erstaunlicher Deutlichkeit eingestanden, einige Trends verpasst zu haben. Wenn man jetzt nicht schnell die Kurve kriege, vor allem beim Thema Internet und Online-Dienste, “dann ist unser Business, wie wir es heute kennen, in Gefahr”, sagte Ray Ozzie, Technikchef beim Software-Konzern in einem Memo an die Mitarbeiter.

Man habe eine Reihe von möglichen Goldeseln einfach vorbeilaufen lassen. Bei VoIP zum Beispiel erinnert Ozzie daran, dass es Skype und nicht Microsoft gelang, ein neues Kommunikationsmedium zu etablieren, und das trotz einer Microsoft-Lösung, die Internet-Telefonie anbietet.

Es klingt ein bisschen wie im Adventsgedicht: ‘Und wenn das fünfte Lichtlein brennt, dann hast du Weihnachten verpennt.’ In diesem Fall sind es verpennte IT-Trends, die Ozzie neben VoIP auch mit dem Angebot von Google oder Salesforce.com ausgemacht hat.

Immerhin habe man mit der Neustrukturierung im September einen ersten Schritt für das Geschäft mit dem Internet gemacht, heißt es laut Wall Street Journal in dem Schreiben. Damals hatte man vor allem dem Online-Business MSN große Aufmerksamkeit gewidmet. Und heute existieren immerhin zwei Produkte, die die Zukunft Microsofts exakt beschreiben: Windows Live und Office Live

Das reicht Ozzie aber noch nicht. Wenn es nach ihm geht, sollen bis Dezember die Leiter der drei neuen Sparten ‘Plattform-Produkte und Services’, der ‘Business Division’ und der ‘Entertainment and Devices Division’ Möglichkeiten ausarbeiten, ihre Geschäftsfeld besser mit Online-Diensten zu kombinieren. Schließlich liegt viel Geld auf der Datenautobahn, ganz vorn dabei Werbung und Abonnements.

Microsoft klassischer Verkaufsschlager, das Betriebssystem Windows in all seinen Facetten und MSN müssten ihre Kräfte bündeln, so Ozzie, um ein “Kochbuch für Services” zu definieren –  eine “Next Generation Internet Service Platform”, wünscht sich der einstige Lotus-Mitarbeiter, der erst vor acht Monaten zum Redmonder Softwarereisen gewechselt war. Der Software-Verkauf allein bringt heute nämlich nicht mehr den gewünschten Umsatz. Zum einen hat sich Microsoft auf seinem Namen ausgeruht und die Weiterentwicklung vieler Produkte vergessen. Zum anderen ist die IT-Welt nicht mehr nur auf Windows und Co. angewiesen, wegen Open Source.

Bill Gates hat sich der harschen Kritik Ozzies angeschlossen und in einer Mail zur Einleitung des Memos gefordert, neue Technologien und Trends schneller in die Produkte umzusetzen. Gates vergleicht die derzeitige Situation des Unternehmens, das er mitgegründet hat, mit zwei früheren Krisen. Die eine reicht in das Jahr 1995 zurück, als das Web in seiner heutigen Form bekannt wurde. Die andere datiert er auf 2000. Damals bewegte sich die IT auf Internet-fokussierte Software zu, auch hier habe man geschlafen.

Die Veränderungen sollen “sehr einscheidend” sein, gab Gates bekannt. “Wir haben Konkurrenten, die neue Herausforderungen annehmen und uns herausfordern. Das gibt uns die Gelegenheit zu zeigen, wer Technologieführer ist.”