Oracle-Zukauf: Gartner hält Migrationen für unausweichlich

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Oracle bemüht sich, die Siebel-Kunden zu halten. Analysten raten zur schrittweisen Anpassung an die neue Situation.

Das Leben der Applikationskunden wird durch die aktuellen Konsolidierungen, vor allem durch die Zukäufe des Oracle-Konzerns nicht gerade einfacher. Die Kunden der ehemals selbständigen Firmen, jüngstes Beispiel Siebel Systems, brauchen jetzt oftmals einiges an technischem und Projekt-Geschick. Die befürchteten Abwanderungswellen von Siebel- oder Peoplesoft-Kunden will der Konzern dabei auf die bewährte Weise bremsen: mit Geld. Die Firma verkündet also am ersten Tag der Hausmesse OpenWorld 2005 Lizenzvergünstigungen für Migrationen und Updates. Das Marktforschungsunternehmen Gartner rät ihnen inzwischen, auch andere Optionen ins Auge zu fassen.

“Auf längere Sicht wird der Zukauf für Oracle positiv sein, aber für die Kunden, die vielleicht auf IBM oder Microsoft migrieren wollen, stellen sich zunächst einige Fragen”, geben die Gartner-Analysten Michael Maoz und Lee Geishecker zu bedenken. Schließlich habe sich der gesamte CRM-Markt durch den Zukauf vergangene Woche verändert, so dass IT-Leiter es schwer haben werden, ihrem Vorstand den Kauf einer spezialisierteren Standalone-Lösung für Customer Relationship Management (CRM) zu erklären. Dagegen werden die Deals häufiger, die in einer IBM-Umgebung beispielsweise deren Lösungsansätze anstreben, sagen sie. Also weniger Diversifikation und mehr Gleichmacherei? In letzter Konsequenz, so die Analysten, muss der Markt und müssen die Kunden zumindest mit dem Wandel rechnen.

“Oracles Forschungsabteilung ist nicht gerade berühmt für ihre gute Unterstützung von CRM-Funktionen, hier wird es Änderungen geben müssen, um die Siebel-Kunden weltweit zu halten”, schreiben die Analysten. Schließlich sei die eigene CRM-Lösung bereits im Großprojekt Fusion eingeflossen, was den Support offenbar nicht einfacher macht. Deshalb werden sich die Bedürfnisse der Kunden neu ausrichten durch den Zukauf: Die spezielleren Bedürfnisse werden von kleineren Anbietern wie Salesforce und NetSuite beantwortet, für alles andere sind die Konzerne da. Und sie bieten so genannte ‘Technology Stacks’, also ganze Produktstapel, die auf oberster Ebene im CIO-Bereich entschieden werden, während die Nachfrage für die kleineren Lösungen auch aus der mittleren IT-Manager-Ebene gesteuert wird.

Der Support für Siebel-Lösungen an sich ist dabei nach Ansicht der Experten noch bis 2012 gewährleistet. Sie beziehen sich dabei auf die Orcale-Aussagen zur Fusion. Aber bis dahin sind eine ganze Reihe an Supportfragen zu klären. Das trifft auch für Oracle zu, schließlich steht vor einer Neuausrichtung und neuen Profiten auch ein Umbau von Oracles eigener Produktstrategie, eine technische Einpassung der neuen Lösungen und die Integration der zugekauften Wissensbausteine. Die soll nun zwar angefangen werden, aber den Siebel-Kunden raten die Analysten trotzdem, sich umfassend zu informieren und sich mit dem Gedanken an eine millionenschwere Migration zu tragen. Besonders Lösungen basierend auf Siebel-Versionen vor dem aktuellen Release 7.5 müssen in den nächsten drei Jahren ausgemustert werden, weil dann nach Einschätzung der Analysten der Support von Oracle für diese eingestellt werden könnte.