Deutschland skeptisch bei Industrialisierung von Outsourcing

Management

In Deutschland gibt es immer noch weniger Outsourcing-Geschäfte als in den vergleichbaren Industrieländern Europas.

In Deutschland gibt es immer noch weniger Outsourcing-Geschäfte als in den vergleichbaren Industrieländern Europas. Großbritannien ist hier Meister, die Franzosen sind ebenfalls experimentierfreudiger. Daher heißt die Devise für die Lösungsanbieter: Outsourcing mit punktgenauer Abrechnung. Das hat der Marktforscher Forrester Research für den deutschen Markt festgestellt.

“Wir haben es in Deutschland mit besonders kopflastigen Unternehmen zu tun, die sich ungern von ihrem Management-Übergewicht trennen”, sagt Pascal Matzke, Principal Analyst bei Forrester Deutschland. Dabei sieht er den vielbeschworenen Innovationsstau als eine der Ursachen: “Mehr Überbau heißt oft weniger Kundennähe, Firmen in Deutschland müssen weg von dieser Labormentalität.”

An Erfindungsgeist mangle es hierzulande nicht, aber an Wegen, diesen in klingende Münze zu verwandeln. Außerdem kritisiert er, dass das Wahrnehmungsproblem in Deutschland für Outsourcing als Lösungsweg nicht angepackt werde. “Es herrscht zuviel Angst vor den Folgen und zuwenig realistische Einschätzung der positiven Seiten von Outsourcing”, sagt Matzke. Daher würden mehr kleine Auslagerungsprojekte umgesetzt, in anderen Ländern größere, aber dafür zahlenmäßig weniger.

Großbritannien ist demzufolge zwar Outsourcing-Spitzenreiter nach Volumen der Verträge in Europa. Aber in Deutschland werden in Zahlen “immer mehr kleine oder selektive Verträge abgeschlossen”. Pascal Matzke rät den Anbietern: “Outsourcing klappt auf Dauer nur, wenn die Services wiederholbar sind, also standardisierte Dienstleistungen eine sichere Vergleichbarkeit für Kunden und Anbieter bringen; weil das den Kunden schwer zu erklären ist und ihnen oft zu wenig ‘kundenorientiert’ vorkommt, muss die Kostenfrage stark individualisiert, sehr granular und flexibel angegangen werden.”

Er weiß, dass den Kunden in Deutschland nur das wirklich tauglich erscheint, was maßgeschneidert wirkt. Sobald die Anbieter eine Standardisierung beginnen – auch wenn diese noch so profitabel und positiv für den Kunden ist – führt dies oft zu Unmut. “Die Prozesse müssen gerade beim Outsourcing von Geschäftsprozessen standardisiert sein, die Abrechnung kundenindividuell, transparent und schnell anpassbar – das ist die Industrialisierung von Outsourcing, die wir hier in Deutschland erst noch schaffen müssen.”