Icann soll entnationalisiert werden

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Mehrere Wissenschaftler in den USA fordern eine “Entnationalisierung” des Verbandes Icann.

Mehrere Wissenschaftler in den USA fordern eine “Entnationalisierung” des Verbandes Icann. Sie kritisieren damit den Einfluss, den die USA – sowohl auf öffentlicher Ebene durch Verwaltungen als auch durch US-Konzerne – in dem Verband haben. Die Icann ist eine Organisation, die sich für den Betrieb und Domain-Fragen im Internet einsetzt und deshalb auch gern als Internet-Regierung tituliert wird.

Die Organisation ‘Internet Governance Project’, der vor allem Professoren von US-Elite-Unis angehören, hat sich in den Streit um die Regierung der Web-Regierung schon öfter eingemischt, legt jetzt aber einen Zahn zu. Die Wissenschaftler haben ein Papier über ein Policy-Konzept entwickelt, das sich gegen die Einflussnahme der USA in der Icann ausspricht. Es soll auf dem IT-Gipfel ‘World Summit on the Information Society (WSIS)’ übernächste Woche im tunesischen Tunis für Zündstoff sorgen.

Dabei geht es den Initiatoren aber nicht darum, eine Hauptmacht in der Icann lediglich durch eine neue, beispielsweise eine europäische, zu ersetzen. Sie wollen statt einer solchen Internationalisierung eine Entnationalisierung der Icann, damit das Web ein echtes globales Dorf wird und nicht mehr für nationale Interessen missbraucht werden kann – gleich welcher Art.

UN-Delegierte beim WSIS fürchten, dass über dieser Debatte die eigentliche Aufgabe des Treffens vergessen werden könnte. Die besteht schließlich darin, die Informationstechnik näher an Entwicklungsländer heranzubringen.