Galileo: Nationalstolz kommt vor dem Fall

Management

Das ehrgeizige Galileo-Projekt steht aufgrund von Schwierigkeiten bei der Finanzierung auf der Kippe.

Das ehrgeizige Galileo-Projekt, mit dem Europa eine Alternative für das amerikanische Satellitensystem GPS etablieren will, steht aufgrund von Schwierigkeiten bei der Finanzierung auf der Kippe. “Wenn bis Ende Oktober keine Lösung für die Aufteilung der zusätzlichen Kosten gefunden wird, steht das ganze Galileo-Projekt in Frage”, sagte der Präsident der italienischen Weltraumbehörde ASI, Sergio Vetrella, in einem Interview mit der Tageszeitung die Welt. Er wirft Deutschland “Verzögerungstaktik” vor.

2008 sollte das Projekt an den Start gehen, das gegenüber der US-Konkurrenz auch eine bessere Auflösung bieten soll. Etwa 430 Millionen Euro zusätzlicher Kosten kommen auf europäische Regierungen und Privatfirmen zu. Diese Mehrkosten stammen hauptsächlich aus verschärften Sicherheitsbedingungen. Der Anteil der Bundesrepublik wird auf etwa 80 Millionen Euro geschätzt. Vetrella wirft nun der deutschen Seite vor, Zahlungen zu verschleppen, um damit die Errichtung des Kontrollzentrums in Oberpfaffenhofen bei München zu erzwingen.

Spanien, Frankreich oder Italien, befürworten das Galileo-Zentrum innerhalb der eigenen Grenzen. Und aus Köln kommt die Bestätigung für diesen Streit. Ebenfalls gegenüber der Welt erklärte Sigmar Wittig, Vorstandschef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), dass Deutschland erst dann Gelder freigeben werde, wenn die Aufgabenverteilung klar umrissen sei. Inzwischen würden alternativ auch mehrere Kontrollzentren an verschiedenen Standorten diskutiert. Jedoch, so der DLR-Chef, sei man noch immer weit davon entfernt, eine Einigung zu erzielen. Streit gibt es auch unter den Unternehmen des privaten Betreiberkonsortiums, dem neben anderen Alcatel und EADS angehören.