ITK-Branche geht es besser als dem Rest

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Die Wachstumsprognose für dieses Jahr musste wie bei der restlichen Wirtschaft nach unten korrigiert werden, doch die Stimmung bleibt positiv.

Die Wachstumsprognose für dieses Jahr musste wie bei der restlichen Wirtschaft nach unten korrigiert werden, doch die Stimmung bleibt positiv. Zusammen erreichen die IT- und TK-Branche (Telekommunikation) dieses Jahr ein Volumen von 134,1 Milliarden Euro, rund 3,3 Milliarden mehr als im Vorjahr. Mit einem Plus von 2,6 Prozent wächst die Branche damit mehr als doppelt so stark als die restliche Wirtschaft in Deutschland. Damit erreicht sie dieselbe Rate wie letztes Jahr, doch ein Wermutstropfen bleibt: Anfang des Jahres hatte man noch mit 3,4 Prozent gerechnet.

“Steigende Energiekosten, eine schwache Binnennachfrage und die instabile politische Lage haben eine stärkere Dynamik verhindert”, klagte Jörg Menno Harms, Vizepräsident des Industrieverbands Bitkom, bei der Veröffentlichung der Zahlen. “Das Jahr 2005 hatte Potenzial für mehr.”

Eine differenzierte Betrachtung der Statistik entlarvt die TK-Industrie jedoch als mindestens genauso verantwortlich für das Verfehlen des Ziels. Wachsender Wettbewerb brachte Preise und Umsätze der Mobilfunk- und Festnetzanbieter so massiv unter Druck, dass die Hälfte der Korrektur nach unten auf deren Konto geht. “Weil die Preise für das Telefonieren mit dem Handy überraschend stark sinken, wächst dieser Bereich etwas schwächer als erwartet”, sagte Harms. In der Festnetztelefonie führte der erneute Preisrückgang sogar zu einem beschleunigten Rückgang der Umsätze.

Mit Preisdruck und niedrigeren Margen, vor allem beim Hardware-Geschäft, hatte auch die IT-Branche zu kämpfen, doch ihre Zahlen sehen insgesamt besser aus. Anbieter von Software und Dienstleistungen profitieren von den höheren Ausgaben der Unternehmen für die Modernisierung IT-Infrastruktur und wachsen gleichermaßen um 4,5 Prozent. Das Geschäft mit Hardware stagniert bei einem Volumen von 16,6 Milliarden Euro und ist nur noch geringfügig höher als das für Software (16,1 Milliarden), jedoch deutlich kleiner als der Bereich IT-Dienstleistungen (27,9 Milliarden).

Software und Dienstleistungen sind denn auch die Sparten, die derzeit neue Arbeitsplätze schaffen. Besonders bei mittelständischen Unternehmen sei das der Fall. “Wir wissen von mehr Unternehmen in diesem Sektor, die tatsächlich einstellen, als von Unternehmen, die Personal abbauen wollen”, sagte Harms. Ob das ausreicht, um die Entlassungen bei Großunternehmen wie IBM, Hewlett-Packard oder Siemens Business Services auszugleichen, lasse sich allerdings nicht abschätzen. 

Für das kommende Jahr rechnet der Verband branchenweit mit einem ähnlich hohen Wachstum (2,4 Prozent), sieht es aber stark abhängig von der Politik und längst fälligen Reformen. “Die Unternehmen setzen große Hoffnungen in die neue Bundesregierung”, sagte Harms. “Der Verteilungsspielraum in Deutschland wird immer kleiner. Deshalb müssen wir wieder die Wurzeln des Wachstums in den Blick nehmen: technologische und verfahrensmäßige Innovationen.” In den schrillen Wahlprogrammen sei das Thema viel zu kurz gekommen.

Drei Forderungen stellt der Bitkom an die neue Bundesregierung, um Deutschland wieder längerfristig technologisch an die Spitze zu bringen und dort zu halten – und um mehr Beschäftigung zu schaffen: “Eine exzellente Ausbildung der jungen Generation, höhere und effizientere Investitionen in Forschung und Entwicklung, sowie langfristig angelegte Förderung innovativer Unternehmen in strategisch bedeutenden Wachstumsfeldern.” Ein Staatsminister für Innovation sollte künftig die Technologiepolitik ressortübergreifend koordinieren.

Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Verbands, sieht kurzfristig zwei weitere Möglichkeiten für die neue Regierung, Akzente zu setzen: Zum einen sollen durch die Modernisierung der Verwaltung (Stichwort E-Government) und des Gesundheitswesens neue Chancen für die IT-Branche entstehen. Zum anderen fordert Rohleder einen Wachstumsfonds zur langfristigen Förderung innovativer Mittelständler. “Der deutsche Anteil bei der Risikofinanzierung in Europa ist von 18 auf 13 Prozent gesunken, der britische auf 34 Prozent gewachsen”, warnte Rohleder. Nach seiner Vorstellung ist die Bundesregierung in der Pflicht, diesen Trend zu stoppen. Am besten mit einem neuen Innovationsfonds in Höhe von 1 Milliarde Euro.