Google und Comcast spucken Microsoft in die Suppe

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Microsoft, AOL, Google, Yahoo und Comcast tanzen einen immer komplizierteren Verhandlungsreigen. Parkett ist sowohl der Internet- als auch der Fernsehmarkt.

Der amerikanische Suchmaschinenbetreiber Google und der führende US-Kabelnetzbetreiber Comcast streben offenbar eine Minderheitsbeteiligung bei AOL an. Beide Unternehmen führten Verhandlungen mit der AOL-Mutter Time Warner über einen Einstieg bei der Internetsparte des Konzerns, berichtet das Wall Street Journal. Mit einem solchen Schachzug würde Google die Konkurrenz frontal angreifen – vor allem Microsoft und Yahoo. Doch die wehrt sich.

Wie es heißt sollen die Dienste von Google, Comcast und AOL verbunden werden – einen genauen Investitionsplan gebe es aber noch nicht. Zuvor hätte AOL bereits Einzelgespräche mit Google und Comcast geführt. Allerdings befänden sich die Gespräche noch in einem frühen Stadium und könnten durchaus platzen, betonte eine weitere eingeweihte Person. Im Mittelpunkt steht aber offenbar mehr das Internetportal von AOL und weniger das Zugangsgeschäft. Alle drei Konzerne lehnten eine Stellungnahme ab.

Mit 112 Millionen US-Besuchern im September ist AOL das zweitgrößte Internetportal hinter Yahoo – davon wollen Google und Comcast ebenso profitieren wie vom großen Angebot an Inhalten, das mehr Nutzer und Werbetreibende zu ihren Services bringen könnte. Beide Unternehmen schätzen den Wert des Content-Geschäfts von AOL auf rund 10 Milliarden Dollar – eine Minderheitsbeteiligung würde demnach mindestens 5 Milliarden Dollar kosten.

Für Google liegen die Vorteile eines solchen Geschäfts ziemlich klar auf der Hand. Der Konzern würde direkten Zugang zu den Breitbandnutzern von Time Warner und Comcast bekommen und damit eine Gelegenheit, Services und Werbung markanter zu präsentieren. Zudem bekäme der Suchmaschinenbetreiber eine direktere Verbindung zu den Besitzern von Inhalten, inklusive Filme und Fernsehprogramme. Google-Manager haben in der Vergangenheit mehrmals betont, dass sie nicht eigenen Inhalt entwickeln wollen, im Gegensatz zu Yahoo und AOL.

Aber auch Comcast könnte von einem solchen Deal profitieren. Das Unternehmen hat im Zusammenhang mit seiner Kabel-Distribution Abmachungen mit Fernsehsendern – damit könnte Google sein Angebot an durchsuchbaren und anschaubaren Inhalten erweitern. Für Comcast wäre aber das wiederum eine Möglichkeit, weiter ins Internetgeschäft vorzustoßen, ein Bereich der größere Wachstumschancen verspricht als herkömmliche Services für Kabelfernsehen. Der Besitz von AOL-Anteilen wäre außerdem eine Möglichkeit für Comcast, die eigenen Breitband-Services an AOL-Nutzer zu vermarkten und so auszuweiten.