Wal-Mart beweist den Nutzen von RFID

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Lange wurde gestritten, ob, wo, wann und wie sich RFID auszahlt. Eine Studie bescheinigt jetzt Vorteile.

Zum ersten Mal hat die Einzelhandelskette Wal-Mart Zahlen zum Nutzen der RFID-Technologie (Radio Frequency Identification) vorgelegt. Wal-Mart ist eines der ersten und auch eines der engagiertesten Unternehmen, die sich mit den Radio-Tags auseinandersetzen. So hatte der Händler die Zulieferer mehr oder weniger gezwungen, bestimmte Waren mit Tags zu versehen. Auch zur Beobachtung des Kaufverhaltens der Kunden wurde diese Technologie schon von dem Vollsortimenter eingesetzt.

Wal-Mart hatte die Universität von Arkansas mit einer Studie beauftragt, bei der 12 Fillialen mit RFID-Technologie und 12 Niederlassungen ohne den Kurzstreckenfunk über 29 Tage hinweg verglichen wurden. Die “unabhängige” Studie belegt jetzt einen Rückgang von ausverkauften Waren in Höhe von 16 Prozent beim Einsatz von RFID.

Auch Nachbestellungen, die von den Mitarbeitern manuell aufgegeben werden müssen, seien um 10 Prozent zurückgegangen. Ausverkaufte Produkte seien in einem Drittel der sonst nötigen Zeit wieder aufgefüllt worden. Dadurch konnten zudem Materialüberschüsse abgebaut werden. Für Wal-Mart zeigen diese Zahlen, dass sich die Technik bewährt hat. “Es ist nicht mehr länger eine Sache des guten Glaubens”, so Linda Dillman, Sprecherin von Wal-Mart.

In diesem Jahr hatte der Einzelhändler begonnen, die Zahl der Niederlassungen, die mit der kabellosen Logistik-Technologie ausgestattet sind, zu verdreifachen. Bis zum Ende des Jahres sollen es insgesamt 500 Geschäfte sein, die mit RFID ausgerüstet sind.

Ende nächsten Jahres will Wal-Mart die Zahl weiter erhöhen und insgesamt 1000 Shops damit versehen. Inzwischen hätten 130 Unternehmen die Zulieferkette auf die neue Technik umgestellt, teilte die Handelskette mit. 200 weitere werden diesen Schritt voraussichtlich im nächsten Jahr tun. Als Ziel für 2007 hat sich das Unternehmen die Zahl von 600 Lieferanten gesetzt.

Wal-Mart setzt dabei auf den Hardware-Standard EPC Global Generation 2, der gute Chancen habe, im nächsten Jahr der erste RFID-Standard zu werden, der von der ISO (International Standards Organisation) ratifiziert wird. Diese Standardisierung mache günstige Tags, also Sesoren, die auf die Ware aufgeklebt werden, möglich, so Wal-Mart. Das Unternehmen peilt einen Preis von unter 10 Cent pro Aufkleber an. In den letzen Monaten sind die Preise für Tags der Generation 2 teilweise um bis zu 70 Prozent gefallen. Das Unternehmen geht zudem davon aus, ab der Mitte 2007 keine Waren mehr geliefert zu bekommen, die mit Tags der älteren Generation gekennzeichnet sind.

Noch warten aber viele Anwender und Hersteller ab, bis der neue Standard verabschiedet ist. Dann könnten die Preise weiter purzeln. Dabei helfen auch Projekte mit großer Signalwirkung. So ist betreibt die Metro-Gruppe in Deutschland ein Pilotprojekt.

Die Analysten von Frost &Sullivan sagen bis 2011 eine Steigerung der Umsätze mit RFID auf 4,1 Milliarden Dollar voraus. Derzeit werden in diesem Segment etwa 400 Millionen Dollar umgesetzt. Voraussetzung dafür ist aber auch, dass die Akzeptanz im Einzelhandel steigt. Derzeit, so die Analysten, könnten sich jedoch nur Unternehmen mit jährlichen Umsätzen von mehr als 5 Milliarden Dollar die Anschaffung von RFID-gestützten Systemen leisten.

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