JBoss-Chef: IBM ist die einzige SOA-Konkurrenz auf weiter Flur

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Laut Marc Fleury von JBoss gibt es für Softwaregeschäfte nur den Open-Source-Weg. Damit will er den Markt verändern und Dickschiffe verdrängen.

“Das Vertrauen in den Support entscheidet über die Art, wie Software auch in Zukunft verkauft wird”, sagt Marc Fleury, Mitgründer und CEO von JBoss, im Gespräch mit silicon.de. Er ist der Überzeugung, dass das eigene Modell über kurz oder lang den Softwaremarkt verändern wird: JBoss bietet Open-Source-Techniken (OS) frei an, macht aber dafür Support und Dienstleistungen zum Goldesel. Das nennt er die moderne Art, Software zu vertreiben.

Besonders gelte dies für serviceorientierte Architekturen (SOA). “Proprietäre Middleware ist nahezu das Gegenteil von dem, was SOA eigentlich soll: SOA besitzt eine inhärente Modularität und verlangt feine Anpassungen – mit einer dicken Plattform kann man vielleicht die Grundfragen beantworten, aber Kunden, die in einem bestimmten Business-Bereich von SOA mehr als das Durchschnittliche verlangen, kommen zu uns”, sagt er. Die sorgfältige und genaue Programmierung und der Developer Support, bei dem die Kunden gemeinsam mit den Entwicklern an einem speziellen Problem arbeiten können, sind ein Pfund, mit dem er gern wuchert. “Wir bringen Hochleistung, wo andere nur an der Oberfläche bleiben.”

In diesem Umfeld sieht er eigentlich nur noch IBM als ernst zu nehmende Konkurrenz. Er würdigt die Anstrengungen des IT-Konzerns, aber er nennt die Bemühungen der US-Leute “halbherzig”, wenn es um Open Source geht. Mehr noch, er wisse aus sicherer Quelle, dass IBM sich nur deshalb so im Bereich Open Source Middleware engagiere, weil die Erfolge von JBoss langsam nicht mehr zu übersehen seien, lässt er durchblicken. Sicherlich sei es noch ein weiter Weg, im Gartner-Quadranten an IBM vorbeizukommen, aber die Firma will sich anstrengen. Immerhin haben die Analysten die nur 160 Mann starke, in Frankreich gegründete Firma bereits 2004 in den Quadranten aufgenommen, der sowohl die Innovation als auch die Möglichkeit, dem gerecht zu werden und Produkte zu liefern (Execution), misst.

“Mit unserem Toolkit-Ansatz können wir einzelne Werkzeuge immer mehr verbessern, was für die Endkunden die Abhängigkeit von einem einzigen Hersteller reduziert”, sagt Marc Fleury. Er ist überzeugt, dass die Angst berechtigt ist, sich mit einem “Alles-für-Alle-Produkt” dauerhaft auszuliefern. “Regierungen, Sicherheitsfirmen und Versorger können es sich heute zum Teil gar nicht mehr leisten, nur bei einer Firma einzukaufen – die Konsolidierung im Softwaremarkt wird nicht aufhören und wer will dann garantieren, dass die Firma XY morgen noch selbständig über ihre Produkte und deren Entwicklung entscheiden kann – das ist es, was wir bei den Stadtverwaltungen von München und Paris sehen. Diese Leute sind aufgewacht, gehen weg von den proprietären Plattformen und setzen auf Open Source, um die Kontrolle über den Code auch dauerhaft zu behalten, nicht nur heute und morgen”, sagt der Manager. Die Alternative, mit Software Escrow, also einer Code-Versicherung zu arbeiten, ist schließlich noch nicht weit verbreitet in Europa.