Nanotechnologie in Deutschland – eine Branche am Scheideweg

Management

Deutschlands Nanoforscher haben weltweit die Nase vorn – können ihr Wissen aber nicht zu Geld machen. Sie haben ein Standortproblem.

“Die neue Bundeskanzlerin ist Physikerin, ihr Mann Chemiker und der neue Bundeswirtschaftsminister ein Bayer – da kann für die Nanotechnologie eigentlich nichts mehr schief gehen.” Glaubt man der Argumentation von Professor Dieter Jahn, Leiter der Forschungsplanung bei BASF, brechen für den Nanostandort Deutschland rosige Zeiten an. Tatsächlich gehört das Land im Bereich der Grundlagenforschung zur Weltspitze – geht es jedoch um die kommerzielle Umsetzung, werden aus Top-Forschern Versager.

Wenn junge Nano-Start-ups scheitern, sind allerdings nur manchmal die Firmengründer selbst Schuld, viel öfter sind sie lediglich ein Opfer widriger Umstände. Gerade in Deutschland. Insgesamt 450 Unternehmen haben hierzulande bereits ihr Geschäftsmodell rund um Nanotechnologie aufgebaut, sagte Wolfgang Luther vom Technologiezentrum Düsseldorf, während der 1. Nanostrategiekonferenz in München. Damit seien 20.000 bis 35.000 Arbeitsplätze von der Technologie abhängig.

Doch auch wenn nach Luthers Schätzung im Jahr 2015 fast jede Industriebranche von Nanoanwendungen durchdrungen sein wird, “gibt es derzeit nur eine geringe Diffusion in klassische Industriebranchen, insbesondere im Mittelstand”, kritisiert Luther. Eines der größten Innovationshemmnisse ist nach seiner Meinung der Fachkräftemangel, der sich in dem kommenden Jahren tendenziell verschlimmern wird. “Um diesem Trend entgegenzusteuern, müssen Hochqualifizierte stärker gefördert werden, auch bei Ausbildungsgängen gibt es einen starken Anpassungsbedarf.”

Es fehlt der “Entrepreneur-Spirit”

Darüber hinaus sind die Experten einhellig der Meinung, dass im Bereich Kommerzialisierung dringender Handlungsbedarf besteht. In den vergangenen Jahren habe die Zahl der Unternehmensgründungen dramatisch abgenommen, in zwei von drei Fällen habe es sich dabei um Ausgründungen aus anderen Institutionen, zum Beispiel Universitäten oder Fachhochschulen, gehandelt.

Doch die Jungunternehmer tun sich schwer und haben mit einer Reihe von Widrigkeiten zu kämpfen. So gibt es in Deutschland – im Vergleich gerade mit den USA oder Japan – verhältnismäßig wenig Risikokapitalfirmen. Gemeinsam mit einem Mangel an “Entrepreneur-Spirit”, wie Luther es nennt, sorgt das für überdurchschnittlich lange Time-to-Market-Zeiten und einen extrem harten Wettbewerb um Preise und Leistung. Alles in allem ein schlechter Nährboden also für innovative Unternehmensgründer, 58 Prozent der Probleme, mit denen sie kämpfen, sind deshalb finanzieller Natur. Nicht selten scheitern sie daran.

Finanzexperten fordern deshalb einen “Gleichklang zwischen Strategie und Finanzierung”, um das Risiko der Gründer in einem kalkulierbaren Rahmen zu halten. Für den nötigen Schwung sollen nach ihrer Meinung neue Venture-Capital- und Start-up-Modelle sorgen. So gebe es beispielsweise in den USA bereits erste Fonds, die allein für die Nanotechnologie gegründet wurden.