‘Digital Universe’ startet mit dem ‘Lexikon der Welt’

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Die frei zugängliche Enzyklopädie im Internet hat aus den Fehlern von Wikipedia gelernt und setzt der Offenheit Grenzen.

2006 soll ein Projekt online gehen, das genau das anbietet, was Wikipedia einmal für sich erhofft hatte: eine freie Online-Enzyklopädie, deren Inhalt aktuell, durch Beiträge von Experten abgesichert und wahrheitsgemäß sind. Während Wikipedia derzeit Zuckerbrot und Peitsche gleichermaßen erhält, ist ‘Digital Universe’ noch offline und feilt an seiner Entstehung. Die Idee ist unter anderem dem Kopf eines Wikipedia-Gründers entsprungen.

Larry Sanger arbeitet mit anderen unter dem Dach der Digital Universe Foundation am digitalen Universum mit dem Ziel, eine ganz neue Art des freien und offenen Zugangs zu Informationen anzubieten. Auf der Webseite heißt es, “Digital Universe ist ein intuitiv organisiertes Multimedia-Web, das informieren, schulen und Menschen auf der ganzen Welt auffordern will, mitzumachen.” Laut Plan soll jeder erdenkliche Bereich abgedeckt werden. Allerdings auf zwei Arten.

Die eine Komponente nennt sich ‘Open Collaboration Project’ und gleicht Wikipedia. Jeder kann als Autor auftreten und Beiträge beisteuern. Die werden in der Regel nicht von Experten zum Thema abgesegnet. Der Wahrheitsgehalt bleibt Vertrauenssache. Der zweite Informationsstrang wird von Kennern überwacht, geleitet und zusätzlich gefüttert.

Zu den ‘Steward’ genannten Experten zählen derzeit das ‘National Council for Science and the Environment’, das ‘World Resources Institute’, die ‘National Library of Medicine’, die Boston University, die Universität von Kalifornien, das American Museum of Natural History, das ‘UN Environment Programme’, ESRI, NatureServe, die ‘Humane Society of the United States’ und die ‘Society for Conservation Biology’. Neben dem Bereich Lexikon soll es auch Foren geben, die sich mit aktuellen Themen beschäftigen.

Digital Universe (DU) zufolge ist das am weitesten entwickelte Teilprojekt das ‘Earth Portal’, das sich mit Themen rund um die Ökologie, Bevölkerung, Klima oder Globalisierung beschäftigt. Das ‘Cosmos Portal’ und das ‘Health Portal’ sollen folgen. Der Starttermin 2006 gilt für das Earth Portal, das bereits als Showcase online ist.

Geht es nach dem Willen der Verantwortlichen, ist der Zugang kostenlos und werbefrei. Das wird zweifelsohne eine Herausforderung. Allerdings hat man bereits über Premium-Services nachgedacht. Der sei möglicherweise Pflicht bei urheberrechtlich geschützt Beiträgen.

Die Ankündigung über den Launch der Online-Enzyklopädie fällt, zufällig oder nicht, zeitlich mit dem Kampf von Wikipedia um seinen Ruf zusammen. Der wurde an einem einzigen Tag quasi ruiniert, weil Urheberrechtsverletzungen und ein angeblicher Rufmord in einem Beitrag das Web-Lexikon beuteln. Am nächsten Tag trägt das Magazin Nature die Wikipedia auf Händen und veröffentlicht eine Studie, wonach der kostenlose Dienst gemessen an der Zuverlässigkeit der renommierten Encyclopedia Britannica in nichts nachstehe.

Das Auf und Ab hat jetzt gar Wikipedia-Mitbegründer Jimmy Wales zu einer völlig überraschenden Aussage hingerissen. Laut einem Bericht der Financial Times Deutschland will er langfristig Inhalte einfrieren, so dass der Text nicht mehr verändert werden kann. Das widerspricht ganz und gar der Idee des Internet-Lexikons, zeigt aber, dass Wales erkannt hat, dass der freie Zugang nicht dem Terminus unbegrenztes Wissen entspricht.

Manipulationen gibt es, seit es das Internet gibt. Dahinter steckte auch einmal der Gedanke, die Welt ins Web zu schaffen, ohne Grenzen und der Selbstkontrolle unterliegend. Das klappt im richtigen Leben schon nicht. Schade eigentlich.