Gerichtsurteil zwingt Anwender zum Office-Upgrade

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Firmenkunden müssen sich auf Unannehmlichkeiten einstellen. Die Auswirkungen eines Rechtsstreits kosten Office-Anwendern weltweit Zeit und Geld.

Microsoft verschickt in diesen Tagen weltweit E-Mails an die Unternehmenskunden, um sie auf mögliche Unannehmlichkeiten im Zusammenhang mit ihren Office- und Access-Paketen vorzubereiten. Es sei möglich, heißt es in der Mail, dass die Firmen andere Versionen der Software einsetzen müssten. Hintergrund ist eine Gerichtsentscheidung aus dem Sommer vergangenen Jahres.

Wie Microsoft mitteilte, sei man dadurch gezwungen, eine neue Version von Office 2003 und Office XP herauszugeben. Diese verändert die Art und Weise, wie Microsofts Access-Datenbank mit Excel-Tabellen zusammenarbeitet.

Im Juni vergangenen Jahres, hatte ein Bezirksgericht in Kalifornien Microsoft für schuldig befunden, eine patentierte Erfindung des guatemaltekischen Erfinders Carlos Armando Amado in einigen Versionen von Access verwendet zu haben. Dabei geht es um das Verfahren, Access- und Excel-Programme in einem einzelnen Spreadsheet zusammenzufassen. Microsoft wurde damals zu einer Strafe von 8,9 Millionen Dollar verurteilt. Amado hatte ursprünglich eine halbe Milliarde Dollar verlangt.

“Ein Gericht hat kürzlich entschieden, dass bestimmte Codeteile in Microsoft Office Professional Edition 2003, Microsoft Office Access 2003, Microsoft Office XP Professional und Microsoft Access 2002 die Patente eine dritten Partei verletzen”, heißt es in der Rund-Mail. “In der Folge muss Microsoft eine überarbeitete Version dieser Produkte zur Verfügung stellen, in der der angeblich verletzende Code ersetzt wird.”

Unternehmenskunden mit neuen Installationen von Office 2003 benötigen das Service Pack 2, das Microsoft im September vergangenen Jahres veröffentlicht hat. Die Nutzer von Office XP Professional müssen einen speziellen Patch aufspielen.

“Wir verstehen, dass das einem kleinen Prozentsatz unserer Kunden Unannehmlichkeiten bereiten wird und sind bemüht, sie während des Prozesses zu begleiten, um die Schwierigkeiten soweit wie möglich in Grenzen zu halten”, so Sunny Jensen Charlebois, Senior Product Manager bei Microsoft, in einem Statement. Wie viele Office-Anwender betroffen sind, ist nicht klar, Microsoft spricht jedoch von einem “kleinen Teil”. Die notwendigen Downloads stehen auf der Microsoft-Webseite zur Verfügung.  Das Unternehmen arbeitet derzeit an einer komplett überarbeiteten Office-Version, die im Laufe dieses Jahres auf den Markt kommen soll.

Wie viel die jetzige Aktion die betroffenen Firmen kosten wird, lasse sich nur schwer abschätzen, sagte Gartner-Analyst Michael Silver gegenüber US-Medien. Der Wechsel zu einem neuen Service Pack für ein bedeutendes Programm wie Office habe jedoch erhebliche Auswirkungen auf ein Unternehmen. Firmen, die genau nachprüfen, dass alle Schlüssel-Datenbanken und kritischen Excel-Makros arbeiten, “werden vermutliche mehrere Monate dafür brauchen”, so Silver.

Sich um die unangenehme Aufgabe herumzudrücken wäre dennoch völlig falsch. Microsoft verspricht zwar, die Kunden gegen Patentansprüche Dritter abzusichern. Andererseits verpflichten die Lizenzbedingungen die Anwender, im Fall der Fälle unverzüglich zu neu veröffentlichten Versionen zu wechseln, die keine Ansprüche verletzen. “Unverzüglich ist ziemlich schnell”, so Silver. “Es wäre nett, wenn es irgendeine Zeitvorgabe gäbe, die besagt, ob es innerhalb von sechs Monaten oder einem Jahr geschehen muss.”