Der zentrale Wahnsinn: CeBIT zelebriert das Überflüssige

Management

Als ob HDTV, VoIP, WiMax oder Triple-Play nicht schon genug wäre. Für den CeBIT-Besucher war es dieses Jahr nicht leicht, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden.

Und doch: schaut man einmal genauer hin, bleibt bei so mancher Neuheit die Frage nach dem Warum unweigerlich im Raum stehen. Bei dem ein oder anderen Produkt wagt man nicht einmal, danach zu fragen – schließlich will niemand vor anderen als technischer Versager dastehen.

Schon vor der CeBIT war erkennbar, das dass Messeereignis viele Presseabteilungen von Herstellern zu Höchstleistungen anspornen würde. Alljährlich wiederkehrende Ereignisse sind da immer eine dankbares Ufer, das den Brückenschlag zum technischen Stelldichein in Hannover rechtfertigt. Dieses Mal musste der Weltfrauentag am 8. März dran glauben. Den nahm das Unternehmen CBL Data Recovery Technologies zum Anlass, um am Vorabend der CeBIT seine Mitarbeiterinnen zu feiern und darauf hinzuweisen, dass “weltweit Frauen in entscheidenden Positionen wesentlich zur Expansion Unternehmens beitragen”. Ob in Australien, Barbados oder Kaiserslautern hätten die Frauen nicht nur einen guten Job gemacht, sie seien auch ein Beispiel dafür, dass das weibliche Geschlecht bei CBL durchaus Karrierechancen habe.

Image ist alles, Luxus sowieso

Apropos Karriere. Je mehr Geld jemand verdient, um so deutlicher soll er – oder sie – das auch zeigen dürfen. Und obwohl sich der Pessimismus um die eigene Zukunft in Deutschland so hartnäckig hält wie der diesjährige Winter, haben Hersteller besondere Versionen ihrer Produkte vorgestellt, die einem die Luft nehmen.

TrekStor zeigt zum Beispiel den teuersten MP3-Player exklusiv auf der CeBIT, bevor er seinem künftigen Eigentümer Alex Shnaider übergeben wird. Der russisch-kanadische Milliardär und Inhaber des Formel-1-Teams Midland habe ihn in Auftrag gegeben, mit der Bitte, den wirklich teuersten Musikspieler zu entwickeln. Mit  einem Gehäuse aus 750er Gold (18 Karat) und 63 Brillanten (1 Karat) sowie einer Kette mit Aquamarinsteinen hat TrekStor das gute Stück zu einem Wert von 20.000 Dollar aufgebohrt. Behalten will ihn Shnaider aber nicht. Das Unikat soll im Herbst zugunsten der Krebsforschung versteigert werden, heißt es.

Wem die Klunker egal sind, weil Geld nicht alles ist sondern die Musik, der kann vom gleichen Anbieter einen iBeat erwerben, den das Antlitz der Bandmitglieder von Depeche Mode ziert. Nur für wahre Fans eben.

Noch einmal zurück zu den teuren Steinen. Die Firma White Lake hat das aufgehübscht, was man manchmal schon als Werbegeschenk mit nach Hause tragen darf: den USB-Stick. Wer nicht weiß, wohin mit der Kohle, der kann für das glitzernde kleine Gedächtnis im Feuerzeugformat auch gerne 3500 Dollar ausgeben, vorausgesetzt er legt nicht nur Wert auf 2 GByte Speicherplatz, sondern auch auf eine 14- respektive 18-Karat-Gold-Umhüllung.

Versuchsobjekt Kind

Genug über Luxus geredet. Widmen wir uns dem Überflüssigen. Die Kinder haben darunter in diesem Jahr besonders zu leiden. Die wildesten Erfindungen sind oft aus der Not geboren. Doch nur der Umstand, dass Eltern vielleicht eine Party mangels verfügbarem Babysitter ausfallen lassen mussten, kann doch nicht Basis für  den Roboter PaPeRo gewesen sein.

Der Roboter sei Spielgefährte, solle gleichzeitig aber auch auf den Nachwuchs aufpassen und aktuelle Bilder aus dem Wohnzimmer an die Eltern übertragen. Die sind natürlich nur wenige Meter von der Wohnung entfernt, um im Fall der Fälle schnell eingreifen zu können. Zweifel am Interesse der Kunden hat der Hersteller NEC dann aber schon und lässt die Markteinführung von PaPeRo offen. Die hat schließlich ‘Aibo’, der Roboterhund von Sony, auch nicht lange überleben dürfen.

Ob es Verzweiflung war, die einen Anbieter dazu trieb, Teddybär-Handys zu entwickeln, ist nicht zu klären. Dem Mobilteil mit nur vier Knöpfen, das es in Asien bereits gibt, wobei man noch die Hoffnung haben darf, dass es Europa nicht erreichen wird, muss wirklich ein furchtbares Erlebnis vorangegangen sein. Die Verarbeitung eines tatsächlichen Kontakts zwischen dem Erfinder und einem Bären vielleicht, oder ein Kindheitstrauma nach verloren gegangenem Kuscheltier – wer weiß. Aus alltäglichen Gründen jedenfalls kann einem so etwas nicht einfallen.