Frankreich schickt DRM auf die Guillotine

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Der französische Kulturminister Renaud Donnedieu de Vabres spricht von der “Morgendämmerung für ein gleichberechtigtes Internet”. Für Apple jedoch ist es ein Schlag ins Gesicht.

Denn nach langen Debatten und mehrfachen Überarbeitungen hat das französische Parlament jetzt einen Gesetzentwurf zur Urheberrechtsreform verabschiedet. Die 296 Abgeordneten der konservativen Regierungspartei UMP stimmten für das Gesetz – aus der linken Opposition und aus der Zentrumspartei UDF gab es 193 Gegenstimmen.

Der Zündstoff des Gesetzes steckt in einer Interoperabilitätsklausel. Demnach müssen die Anbieter von Onlinemusik bei Bedarf alle technischen Informationen herausgeben, die für das nahtlose Zusammenspiel verschiedener Systeme und Abspielgeräte erforderlich ist. Damit soll es Anwendern ausdrücklich ermöglicht werden, ein Dateiformat in ein anderes zu konvertieren, um zum Beispiel Songs aus iTunes auch über den Windows Media Player abzuspielen. Dafür darf auch Software verwendet werden, die dabei hilft, solche DRM-Systeme (Digital Rights Management) zu knacken – der Einsatz solcher Lösungen ist in den meisten Teilen der Welt bislang verboten.

“Diese Klauseln, von denen wir hoffen, dass sie von anderen Ländern aufgegriffen werden, besonders auf EU-Ebene, sollen ausdrücklich die Entstehung eines Monopols in der Online-Kultur verhindern”, heißt es in einer Stellungnahmen der beiden UMP-Abgeordneten Richard Cazenave und Bernard Carayon.

Mit Spannung erwarten Branchenbeobachter nun vor allem Apples Reaktion auf die veränderte Situation in Frankreich. Zwar sind auch andere Konzerne wie Sony oder Microsoft betroffen, doch Apple führt das Geschäft mit der digitalen Musik ohne Zweifel an.

In einer ersten Reaktion hieß es von Apple, das Gesetz werde lediglich zu einer “staatlich gesponsorten Piraterie” führen. “Wenn es dazu kommt, wird der Verkauf legaler Musik einbrechen – und das zu einem Zeitpunkt, zu dem sich legale Alternativen gegenüber Raubkopien durchsetzen”, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. “Die Verkaufszahlen des iPod werden sich voraussichtlich steigern, da die Nutzer ihre iPods mit ‘interoperabler’ Musik bestücken werden, die nicht angemessen geschützt werden kann.”