EADS will paneuropäischen Satellitenkonzern

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Der deutsch-französische Mischkonzern EADS will seine Satellitensparte stärken – und zwar, indem er den Aufbau eines paneuropäischen Konzerns für Raumfahrttechnik vorantreibt.

Dieser soll ebenfalls deutsch-französisch sein. Dabei geht es um die Telco- und Rüstungsgeschäfte von Alcatel, den Elektronikbereich von Rüstungskonzern Thales und um wechselseitige Beteiligungen zwischen französischen, deutschen, aber auch italienischen Firmen wie der Finmeccanica.

Vorbehaltlich irgendeiner Zustimmung, wie sie beispielsweise Thales von dem mit 31 Prozent größten Anteilseigner an dem Konzern, dem französischen Staat benötigt, hat EADS bereits einen Vorschlag für die Beteiligung und den Aufbau einer solchen Gesellschaft dem französischen Staat vorgelegt. Demnach soll sich im Kern der französische Staat aus Thales zurückziehen. Vor allem EADS-Großaktionär DaimlerChrysler fürchtet sonst eine französische Dominanz über EADS, sollte der französische Staat seine Stellung in Thales behaupten und es zum Einstieg von EADS bei dem Konzern kommen. Außerdem haben sich die Manager eine Fusion der Satellitenaktivitäten von EADS mit der entsprechenden Alcatel-Abteilung ausgedacht, der Alcatel Alenia Space, und zwar unter dem Dach des größten französischen Rüstungselektronikkonzerns Thales.

Die bittere Pille an diesen Bestrebungen, im Schatten des Galileo-Aufbaus ein europäisches Gegengewicht zu US-Konzernen wie Boeing, Lockheed und Loral aufzubauen, liegt allerdings in der TK-Branche begründet: Alcatel und Lucent streben seit vergangenem Freitag eine “Fusion unter Gleichen” an – wobei aber Alcatel eineinhalb Mal so mächtig ist wie der US-Traditionskonzern und der Firmensitz in Paris liegen dürfte. Protektionismus-Bestrebungen diesseits wie jenseits des Atlantik könnten die Fusion schwer machen – sollte sich jedoch eine französisch-amerikanische Hochzeit anbahnen, dann sind die paneuropäischen Pläne gefährdet. Analysten sprechen daher in Börsenzeitungen bei den EADS-Plänen von einer Reaktion auf die Pläne von Lucent und Alcatel.

Der Pfad zwischen EADS, Thales und Alcatel ist allerdings bereits ausgetreten: Schon im Jahr 2005 wurden Beteiligungen an Thales durch EADS angestrebt. Und für die EADS, die vor allem von deutschen und französischen Konzernen und Personen gehalten wird, würde dies auch zum angestrebten Aufbau der Verteidigungsbereiche passen. So schrieb bereits am 5. Dezember Pierre de Bausset, Senior Vice President bei EADS, in einem Aktionärsbrief im Investor-Magazin Aero-Notes: “Seit der Gründung der EADS sind das Unternehmen und sein Management bestrebt, den Anteil der Verteidigung am Konzerngeschäft zu erhöhen. Die Folge: Pressemeldungen über unsere ordnungsgemäßen Übernahmen (Cogent, Racal, Nokias Betriebsfunk-Sparte) und unser Bieterkonsortium mit ThyssenKrupp für die mögliche Übernahme von Atlas in Deutschland sowie neuerdings auch Gerüchte zu unserem Interesse an Thales bestimmen laufend die Presseberichte und sogar die Schlagzeilen.”

Welches Gewicht die bisher reservierte Haltung von Alcatel zu einem EADS-Einstieg hat, bleibt abzuwarten. Bekannt ist laut einem Bericht der FAZ derzeit nur, dass Staatspräsident Jacques Chirac bereits mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel beim aktuellen deutsch-französischen Ministerrat in Berlin über das Thema gesprochen hat. Und, dass Finanzminister Thierry Breton einer französisch-französischen Lösung mit Alcatels Einstieg bei Thales vor einem EADS-Einstieg den Vorzug geben würde. Alcatel-Chef Serge Tchuruk, der in nächster Zeit in den Ruhestand gehen will und daher bei einer möglichen Fusion mit Lucent seine Macht an Lucent-Chefin Patricia Russo abgeben dürfte, würde diese Variante demnach ebenfalls bevorzugen.