Alcatel-Lucent-Deal in trockenen Tüchern

Management

Alcatel-Chef Serge Tchuruk hat sich nach eigenen Worten “seinen Traum erfüllt”, Lucent-Kollegin Patricia Russo wird Gesamtchefin und Analysten schwärmen von einer “hübschen Liason”.

Durch die Fusion werden der französische Telekommunikationsausrüster Alcatel und der US-Telefonausrüster Lucent zu einem weltweit führenden Anbieter von Telekom- und Internet-Technologien. Sie schließen damit zum Branchenführer Cisco auf – die Fusion schafft einen Konzern mit einem Umsatz von 21 Milliarden Euro.

Die Einsparvolumen bezifferten Alcatel und Lucent auf 1,4 Milliarden Euro binnen drei Jahren. Die Belegschaft beider Unternehmen soll den Angaben zufolge um 10 Prozent reduziert werden. Da der neue transatlantische Gesamtkonzern derzeit auf insgesamt 88.000 Mitarbeiter kommt, entspricht das einem Abbau von 8800 Stellen. “Erfolg hat, wer bei den Innovationen zu den Besten gehört und am günstigsten produzieren kann”, sagte Tchuruk.

Unter der Leitung von Russo soll das fusionierte Unternehmen seinen Sitz in Paris haben, Tchuruk wird Verwaltungsratsvorsitzender. Der Verwaltungsrat werde mit je sieben Vertretern von Lucent und Alcatel besetzt. Zusätzlich würden zwei unabhängige Verwaltungsratsmitglieder gesucht, auf die sich beide Parteien verständigen sollen.

Lucent will im Rahmen der Fusion eine eigenständige und unabhängige Sparte für die Vereinigten Staaten bilden, da das Unternehmen Rüstungsverträge mit der US-Regierung hat. “Dieses Tochterunternehmen würde durch einen eigenen Vorstand aus drei für die US-Regierung akzeptablen Bürgern der Vereinigten Staaten gemanagt”, sagte Russo. Die Verschmelzung von Alcatel und Lucent soll innerhalb von sechs bis zwölf Monaten abgeschlossen sein.

Nach Angaben von Branchenbeobachtern wird der Zusammenschluss vor allem bei kleineren Wettbewerbern den Druck erhöhen, sich ebenfalls einen Partner zu suchen oder sich aus dem Geschäft zurückzuziehen. Hinsichtlich Geographie, Produkten und Dienstleistungen passten die beiden Unternehmen “unglaublich gut” zusammen, hatte es bereits im Vorfeld der Fusion geheißen.

Doch es gibt auch kritische Stimmen, die sich vor allem mit dem Problem beschäftigen, dass die Geschäftsbereiche schnell integriert werden müssen. “Während sich beide integrieren und die weltweite Strategie festlegen, gibt es nur ein kleines Zeitfenster, die Produkte für die nächste Welle an Upgrades auf den Markt zu bringen”, zitiert die FAZ einen Analysten der Yankee Group. “Sollten sie zu viel Zeit für die Integration ihrer Geschäftsbereiche aufwenden, dann könnten sie unbeachtet bleiben”, sagte er weiter.

Während des Genehmigungsprozesses dürften beide Unternehmen wohl eher ihre laufenden Produkte unterstützen. Bei einigen älteren Produktlinien rechnen die Beobachter damit, dass sie eingestellt werden. Es sei ein langwieriger Prozess, die stärksten Produkte auszumachen und diese dann voranzutreiben.

Keine großen Probleme erwarten die Analysten bei den Regulierungsbehörden. “Ich denke nicht, dass es irgendeinen vernünftigen Grund für irgendjemanden gibt, sich diesem Deal entgegenzustellen”, sagte Stephen Kamman, Analyst bei CIBC World Marktes gegenüber US-Medien. “Aber Vernunft und Politik sind oft zwei unterschiedliche Dinge.”