Cyberstalking wird immer noch zu leise diskutiert

EnterpriseProjekteService-ProviderSicherheit

Wer sich im Internet aufhält hinterlässt Spuren und persönliche Informationen. Manchmal tauchen die auch dort auf, wo man sich nicht platziert wissen will.

Das haben die Opfer von so genannten Cyberstalkern erfahren müssen – und  immer mehr Menschen leiden darunter. Cyberstalker suchen in Online-Chats oder Diskussionsforen nach persönlichen Daten von Ex-Freundinnen, Kollegen oder Prominenten und bringen sie beispielsweise in Sex-Foren unter. Wenn dort eine Telefonnummer auftaucht mit einem entsprechend despektierlichen Text gibt es für Fetischisten aller Art kein Halten mehr. Und die bis dato unwissende Opfer gehen durch die Hölle.

Auf die Problematik hat jetzt einmal mehr Parry Aftab, ein Anwalt und Chef von WiredSafety.org aufmerksam gemacht. In Netz von WiredSafety.org sind rund 9000 Freiwillige organisiert, die das Web nach Stalkern durchforsten und Opfern helfen. “Niemand redet darüber. Alle denken, das müssten sie so hinnehmen”, zitiert ihn jetzt die New York Times. Dabei sei Cyberstalking “der verdeckte Horror im Internet”.

Die Opfer werden belästigt mit eindeutigen Anrufen, manchmal auch persönlich besucht, falls die Adresse ebenfalls im Internet steht. Zurückzuverfolgen, wer hier am Werk war und Informationen missbraucht hat, ist immer schwer. Beschweren sich die Opfer beim Provider und fordern die Herausgabe der IP-Adresse dessen, der möglicherweise den eigenen Foren- oder Chat-Account geknackt hat, haben sie kaum eine Chance. Der Branchenbeobachter Mark Brooks erklärte dazu gegenüber der Zeitung, dass die Freigabe der Daten möglicherweise wieder missbraucht werden könnten. “Der Provider wird sich weigern, schließlich könnte es sich bei dem Anrufer wiederum um einen Stalker handeln.”

In den USA existiert sogar ein Gesetz, das Cyberstalking unter Strafe stellt. Jedoch, weil es so schwierig ist, die Täter zu fassen, kommt auch kaum jemand vor Gericht. Und noch einen Grund gibt es, dass die Regeln so wenig Anwendung finden: dem Opfer muss man erst einmal glauben. Wie bei den ‘klassischen’ Stalkerfällen, bei denen Täter dem Opfer vor der Haustür auflauern, wird dem Opfer oftmals eine Paranoia attestiert, bevor die Ermittler etwas unternehmen. Erst prominente Fälle wie die von Jeanette Biedermann oder Claudia Schiffer machten das Problem auch hierzulande zum Thema.

Stalking via Internet ist natürlich kein amerikanisches Problem. In Deutschland wird darüber nach wie vor viel geschwiegen. “Es kann aber davon ausgegangen werden, dass eine wirklich ernstzunehmende Zahl von Menschen hierzulande betroffen ist”, schrieb die Rechtsanwältin Regina Kohn in einem Beitrag und das war bereits Ende 2004. Nach wie vor gibt es in Deutschland keinen eigenständigen Straftatbestand weder für Stalking noch für die Internetvariante. Erst wenn der Täter den Tatbestand der Nötigung oder Hausfriedensbruch erfüllt, könnte er für sein Handeln bestraft werden.

Der Cyberstalker kommt dann wahrscheinlich aber gut weg. Denn nötigen würde höchstens derjenige, der die Adresse in einem, bleiben wir beim Beispiel, Sex-Forum abgegriffen hat. Steht der dann vor der Tür, geht er davon aus, dass das ‘Opfer’ den Besuch wünscht. Schließlich hat es in dem Forum ‘geworben’. Dass es ein Cyberstalker war, der die Adresse dort gepostet hat, kann der ‘Täter’ nicht wissen.