Morton warnt – immer mehr Fehler im Linux-Kernel

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Die Keynote des obersten Kernel-Entwicklers Andrew Morton war sicherlich einer der Höhepunkte auf dem 12. Linuxtag in Wiesbaden, der am vergangenen Wochenende die Pforten schloss.

“Ich glaube, dass der Kernel 2.6 langsam immer fehlerhafter wird”, erklärte Morton in einer Gesprächsrunde auf der Messe. Er führe zwar keine Statistik, jedoch bekomme er immer mehr Mails, in denen Fehler gemeldet werden. Das bestätige seinen Eindruck, dass immer häufiger Bugs im Kernel auftauchen.

Viele der Fehler stecken in Treibern für ältere Peripherien, die heute niemand mehr kauft. Deswegen würden Entwickler, die in Unternehmen für die Kernel-Entwicklung abgestellt sind, sich wenig um solche alten Fehler kümmern. Und weil diese Entwickler meist bei Hardware-Herstellern auf den Lohnlisten stehen, haben sie gewisse Präferenzen und verfolgten die Interessen der Hersteller.

Auch wenn die Hardware, bei der der Bug auftritt, nicht mehr hergestellt werde, so werden solche Systeme nach wie vor eingesetzt. Solche Bugs beeinflussten die Entwicklung des gesamten Kernels, “weil es da Fehler gibt, die niemand behebt”.

Daher fordert Morton die Entwicklergemeinde auf, die Zeiteinteilung neu zu überdenken und bei der Behebung von Fehlern mehr Aufwand zu treiben. “Vielleicht werden wir einen Kernel-Zyklus haben, der nur der Behebung von Fehlern dient”, spekuliert Morton.

Auf jeden Fall sollten Patches nicht an Linus Torvalds, sondern an Morton geschickt werden. Er selbst verwalte den sogenannten ‘-mm’-Zweig des Kernels. Hier würden Patches zunächst getestet, bevor sie zur Weiterentwicklung freigegeben werden. Mit dieser Zwischenstufe werde auch Code ausgefiltert, der nicht kompiliere. Nur etwa drei Viertel der Zusendungen,vertrügen sich mit dem Kernel, kritisiert Morton.

In seiner Keynote wog Morton auch die Vor- und Nachteile von verschiedenen Methoden der Entwicklung in der Community ab. Dabei kritisiert er vor allem die Entwicklung des Codes in abgeschlossenen Projekten. Damit würden die Entwickler des Kernels zu einem Zeitpunkt mit großen Code-Menge überfordert, was es schwierig mache, geeignete freiwillige Tester zu finden. Weiterer Nachteil sei, dass Anpassungen meist in einem früheren Entwicklungsstadium mit weniger Aufwand umgesetzt werden könnten.

Der andere Weg sei, dass die Entwickler lediglich die Grundfunktionen an die ‘Maintainer’ des Kernels weiterleiten. Erweiterungen und Verbesserungen könnten hier einfacher in Absprache mit den Entwicklern des Kernels umgesetzt werden, glaubt Morton.

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