Galileo-Kosten ufern aus

Management

Von den vier Testsatelliten für das europäische Navigationssystem Galileo ist gerade Mal einer in der Luft – doch jetzt steht schon fest, dass die Kosten für das Projekt ins Kraut schießen.

“Die Abstimmungsprozesse zwischen den einzelnen Ländern sind komplexer als erwartet”, sagte der Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Sigmar Wittig. Für die laufende Startphase (in orbit validation) mit vier Satelliten rechnet er mit Kosten von 1,4 Milliarden Euro. Ursprünglich waren 1,1 Milliarden Euro eingeplant.

So müssten beispielweise die Galileo-Frequenzen zwischen den Ländern erst noch so abgesichert werden, dass das Satellitensystem später fehlerfrei arbeiten könnte, so Wittig. Er kritisierte unter anderem unzureichende politische Absprachen zwischen den Ländern und sprach von “organisatorischen Defiziten”. Galileo sei das erste Großprojekt seiner Art in Europa, aus dem die Beteiligten nun ihr Lehren ziehen müssten.

In diesem Zusammenhang forderte er eine Reform der Entscheidungsstrukturen in der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Dort sei Deutschland im Vergleich zu Ländern wie Italien “deutlich unterrepräsentiert”, obwohl die Deutschen mit 23 Prozent einen wesentlich höheren Anteil des ESA-Gesamthaushaltes stellten.

Auch der ursprüngliche Zeitplan – das komplette System mit 30 Satelliten bis 2008 aufzubauen – wird nach den Worten des DLR-Chefs verfehlt: “Aus jetziger Sicht wird Galileo frühestens 2010 installiert sein.” Die Funktionsfähigkeit des Systems werde durch die Verzögerungen aber nicht beeinträchtigt.

Im Januar war der erste Testsatellit ‘Giove A’ erfolgreich gestartet. Der zweite Satellit konnte allerdings nicht wie geplant im April folgen, der Starttermin wurde auf Herbst verschoben. Wichtig für die Funktionsfähigkeit  des Systems sei aber, dass eine Galileo-Funkfrequenz gesichert werde und diese Aufgabe übernehme derzeit Giove A.