Oracle schlägt Red Hat mit den eigenen Waffen

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Es birgt Vor- und Nachteile, Produkte auf Basis von Open Source anzubieten. Davon kann derzeit Red Hat ein Lied singen. So will sich Oracle den Red Hat Code zu eigen machen und damit den Hersteller mit der eigenen Technologie aus dem Rennen drängen.

Die gute Nachricht hingegen kommt für Red Hat aus der Stadt Chicago. Mit Hilfe der Support-Infrastruktur von Red Hat und der Zertifizierung durch Oracle konnte die Stadt bisher 250.000 Dollar einsparen, wie Red Hat jetzt mitteilt.

Nachdem sich Server in verschiedenen Verwaltungen der Stadt mit sehr unterschiedlichen Systemen dem Ende ihres Lebenszyklus näherten, hat die Stadtverwaltung viele dieser Systeme auf Red-Hat-Lösungen konsolidiert. So können die Bürger der Stadt zum Beispiel ihre Fahrzeuge über das Internet auf einem Red-Hat-Server zulassen.

“Wir mussten die Funktionalität verbessern”, kommentiert Amy Niersbach, Platform Architect in Chicago. “Der Support war ein wesentlicher Faktor, da unsere Wartung immer teuerer wurde.” Daher habe man sich nun auf diesen Punkt und die Zertifizierung von Oracle konzentriert, was dann auch den Ausschlag für den Auftrag an das Unternehmen gegeben hätte.

Doch das Bild des Friedens zwischen Oracle und Red Hat täuscht. So hat Oracle angekündigt, für Red-Hat-Proudukte nun den gleichwertigen Support liefern zu wollen wie Anwender ihn ansonsten nur von Red Hat selbst gewöhnt sind.

In der Praxis wird es dann voraussichtlich so aussehen, dass Oracle den Code von Red Hat nimmt, den Roten Hut entfernt und daraus ‘Unbreakable Linux’ macht. Somit schlägt Oracle den Open-Source-Hersteller mit der eigenen Technologie. Diese Ankündigung könnte Red Hat weit mehr schaden, als Larry Ellisons Säbelrasseln, er erwäge Red Hat zu kaufen.

Gegen geltendes Recht verstößt der Datenbankgigant dabei allerdings nicht. Die General Public License erlaubt es, den Code weiterzuverwenden. Kleinere Unternehmen wie CentOS verfolgen seit geraumer Zeit ebenfalls diese Praxis. CentOS nimmt Red-Hat-Code und strickt daraus die eigene Distribution. Oracle ist aber der erste Tier-one-Hersteller, der auf diese Praxis verfällt.

In dem Programm Unbreakable Linux will Oracle Bugfixes für ältere, aktuelle und kommende Linux-Versionen anbieten. Damit kopiert Oracle den Service, den Red Hat seinen Kunden bietet und das natürlich mit einem kräftigen Preisnachlass gewürzt. Schließlich spart sich Oracle große Teile der Entwicklung.

Ob mit dieser Ankündigung auch Gespräche zwischen Oracle und Ubuntu-Linux vom Tisch sind, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen. Mark Shuttleworth, Chef des Unternehmens Cannonical, der kommerziellen Organisation hinter Ubuntu, erklärte jedoch, dass es in Zukunft eine Kooperation zwischen Oracle und Ubuntu geben werde. “Es gab großes Interesse an Oracle auf Ubuntu und das wird einer der strategischen Schritte sein, die wir tun, wenn die Zeit dafür reif ist.”

Red Hat hingegen sieht diese Ankündigung gelassen. Ein Sprecher erklärte gegenüber silicon.de, “es ist eine Sache, die Software zu kopieren, das kann man ohne Weiteres, jedoch beim Support ist das nicht so einfach.” Oracle würde damit immer einen Schritt hinter dem Support von Red Hat zurückbleiben.

Daneben hat Red Hat mit einer Kampagne geantwortet. Auf der Seite Unfakeable Linux erklärt der Hersteller in einem Frage-und-Anwort-Spiel seine Sicht der Dinge. So sei die auf sieben Jahre angelegte Partnerschaft mit Oracle nicht von dieser Ankündigung verletzt. Zudem biete Oracle keinen Support für Red Hat Application Stack, JBoss, Hibernate, Red Hat GFS, Red Hat Cluster Suite, Red Hat Directory Server und das Red Hat Certificate System.

Weil Oracle auch erklärte, man wolle den Code verändern, könnte das nicht nur zu einem Fork führen, sondern auch die Zertifizierungen für Hard- und Software, die Red Hat durchführt, seien dadurch invalide. ‘Unbreakable Linux’, könnte unerwartetes Verhalten zeigen, warnt Red Hat auf der Webseite. Auch die Zertifizierungen der unabhängigen Software-Hersteller würden damit ihre Gültigkeit verlieren. Durch die Modifikation würden auch Sicherheitszertifizierungen zerfallen. Der Einsatz nicht zertifizierter Software kann zu einem schlechteren Basel-II-Ranking fürhen (Anm. der Red.).

Zudem widerspricht Red Hat der Aussage Ellisons, dass für jedes Update eine neue Version von Red Hat bezogen werden muss. Service und Support garantiere das Unternehmen für jede Version sieben Jahre lang.