Berners-Lee warnt vor ‘dunklem Internet-Zeitalter’

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Der WWW-Erfinder Tim Berners-Lee hat sich in die Debatte um die Neutralität des Internets eingeschaltet. Er plädiert für eine Trennung von Internetzugang und Inhalt.

Seiner Ansicht nach sind zwei separate Märkte notwendig, um ein neutrales Netz beizubehalten. Vor allem in den USA gebe es derzeit Versuche, den Anspruch der Gleichbehandlung im Netz zu unterbinden.

Dort wollen Telekommunikationsanbieter mit einem abgestuften, sogenannten ‘Two-Tier’-System erreichen, dass Daten von zahlenden Unternehmen oder Organisationen im Netz priorisiert, oder Anwender für den Zugriff auf bestimmte Webseiten extra zur Kasse gebeten werden. “Wenn ich einen TV-Sender via Internet anschauen will, dann würde das vielleicht nur gehen, wenn der Sender für die Übertragung bezahlt hat”, erläuterte der Brite die mutmaßliche Zukunft.

Sollte es soweit kommen, würde das Internet in ein ‘dunkles Zeitalter’ eintreten, äußerte Berners-Lee auf der ‘World Wide Web Konferenz’ in Edinburgh, Schottland, seine Befürchtungen. Zahlende TK-Kunden hätten eine Werbe-Vorteil, glaubt die für ein freies Internet eintretende Gemeinde. Außerdem könnten die Gebühren auf die User umgewälzt werden.

Und schließlich  entscheide letztlich auch der Provider, auf welche Seiten der Benutzer voll zugreifen kann und welche mangels Bezahlung nicht voll dargestellt würden. Dabei sei es doch gerade das Tolle am Internet “zu surfen und über Seiten zu stolpern, die man gar nicht gezielt gesucht hat”, so der Wissenschaftler, der Ende der Achtziger Jahre das Internet in seiner heutigen Form entwickelte.

Eine Reihe von Unternehmen unterstützen den Ansatz, darunter Google, Microsoft und Yahoo. Und auch von staatlicher Seite kommt beim Thema Netzneutraliät Positives, haben doch vergangenen Woche erst einige US-Politiker einen Gesetzesentwurf eingereicht, der die Gleichbehandlung im Netz regeln soll.

Gegen ein gewisses Maß an Regulierung hat er nichts. Ein paar Regeln müssten schon sein. Das Web müsse aber ein Web bleiben. Vor allem in den USA müsse sich etwas ändern, fordert Berners-Lee. In Europa sei das Problem noch nicht bekannt.