Elektroschrott erschafft neue Geschäftsmodelle für Europa

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Die EU-Richtlinie für die Vermeidung gefährlicher Substanzen in IT-Geräten (RoHS) wird neue Märkte schaffen, meinen Experten.

Gerade europaweit unterschiedliche Umsetzungen der Richtlinie könnten dafür sorgen, dass sich ganz neue Geschäftsmodelle entwickeln, sozusagen rund um die IT-Müllkippe. Das ist die Einschätzung von Marktbeobachtern wie Michael Messinger, Director bei der Anwaltskanzlei Sterne Kessler Goldstein & Fox.

Er sagte, dass eine derart bedeutende Regelung wie diese einmal eine Auswirkung auf die Produkte und Dienste selbst habe, die sie betreffe. Die Hersteller seien schließlich gezwungen, die seit dem 1. Juli 2006 geltende Richtlinie umzusetzen. Andererseits würde aber auch das Urheberrecht verändert, wenn sich mehr Hersteller mit kostengünstigen und effektiven neuen Herstellungstechniken und Verpackungsmaterialien auseinander setzten. Dies werde den Bedarf bei technischen neuen Lösungen in diesem Bereich sprunghaft ansteigen lassen.

Die Richtlinie, die eine geringere Verwendung von Blei, Cadmium, Quecksilber und anderen giftigen Substanzen vorschreibt, werde zu mehr Innovation führen. Die Hersteller würden ihre Fernseh-, Musik- und IT-Geräte einfache zu recyclen machen, weniger verschiedene Substanzen verwenden; sie müssten bei der Herstellung schon auf die mögliche Entsorgung achten. Messinger betrachtet es als wahrscheinlich, dass sie sich mit alternativen und weniger giftigen Produkten auseinandersetzen müssen. Das heiße auch, dass sie andere Lieferanten der Grundbauteile und neue Produktionsstätten suchen müssten, die sich an die Richtlinie halten. Dabei könnten sogar Partnerschaften zwischen Konkurrenten entstehen, sagte er.

Gerade bei grenzüberschreitenden Handelsbeziehungen kämen die einzelnen IT-Firmen nicht mehr ohne Hilfe aus. Messinger führte an, dass das deutsche und das niederländische Recht die Verantwortung beim Hersteller belassen, während sich in Frankreich die Zwischenhändler und Elektronikmärkte um den Müll kümmern müssen. Dabei könnten – wegen zunehmender Verwirrung der Firmen – umfangreiche Beratungsdienstleistungen und Entsorgungshilfen eine neue, kleine Teilbranche ernähren. Zumindest, bis sich alle Firmen an die RoHS angepasst haben.