Amtsschimmel bremst Triple Play

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Breitband, die Voraussetzung für Angebote wie Triple Play, ist bereits jetzt politisch brisant.

“Unsere Mitgliedsunternehmen wollen Breitbanddienste, auf denen die neuen ‘Triple Play’-Dienste gebaut werden, anbieten; dabei könnten aber wieder dieselben Probleme und Fragen auftauchen wie vor mehr als zehn Jahren beim DSL-Ausbau”, warnt Thomas Werz, Sprecher des Verbandes für Breitbandkommunikation/Breko. Er sieht die Gefahr, dass die Netzagentur “den Absprung, hier Wettbewerb zu schaffen, wieder verpasst”.

Zwar seien die Mitgliedsunternehmen Arcor, Hansenet und Netcologne sowie Versatel “schon sehr weit”, was den Aufbau für entsprechende Infrastruktur betreffe. Doch die Hürden, die die größten Anbieter, allen voran die Deutsche Telekom, in den Weg legten, seien noch unüberwindlich. “Die Ausbaugeschwindigkeit, die die Deutsche Telekom vorgibt, müssen wir – natürlich mit weniger Marktmacht und weniger Mitteln ohne Verzögerung mitgehen, sonst sind unsere Unternehmen im Hintertreffen; auch die Organisation des Aufbaus und der Dienste sind für uns ungleich schwerer zu realisieren als für die etablierte Telekom”, sagt er.

Hilfe von Freunden

Die hat mit ihrem leidlich umstrittenen Vorschlag für den breitbandigen VDSL-Aufbau die ganze Regierung hinter sich gebracht, die ihr Freiheit vom Wettbewerb für einige Jahre zusicherte. Doch die Regulierungsfragen sind – Koalitionsvertrag Seite 18/19 hin oder her – noch nicht ausgegoren, wie die jüngste Entscheidung der Netzagentur zu IP Bitstrom zeigte. Hier hat die Behörde klar gelegt, dass VDSL nicht die einzig selig machende Technik ist und, dass die Telekom ihre Anschlüsse weiter und zu klareren Konditionen öffnen muss, als sie es bisher getan hat. Eine Entscheidung dazu wird zwar noch einige Wochen dauern, aber der Vorschlag der Regulierer macht den Rivalen der Telekom durchaus Hoffnung.

Was darauf laufen soll, ist vor allem die gewinnversprechendste konvergente Technik über ein einziges physisches Leitungskabel: Als Triple Play bezeichnet die Bundesnetzagentur Dienste, die sich seit 2004 immer stärker verbreiten. Das Geschäftsmodell umfasst Sprach- und Internet-Zugangsdienste sowie Fernsehen und Video. Es gilt für Internet-Zugangsanbieter und traditionelle Netzbetreiber als Chance, mithilfe einer rückkanalfähigen Breitbandtechnik nicht mehr nur Datenströme, sondern auch Dinge wie Streaming anzubieten.

Neue Geschäftsmodelle wie Video on Demand machen DVD-Rekorder in Zukunft überflüssig und verlagern die Gewinne in Richtung der Content-Provider, die mit den Netzanbietern teilen. Die wiederum könnten ihre Zehen in Zukunft häufiger in TV-Gewässer stecken, das ließen verschiedene Manager-Präsentationen von IT/TK-Firmen anlässlich der CeBIT 2006 vermuten. Triple Play ist also gerade für die etablierten Netzbetreiber eine Chance, auf der nächsten Trendwelle mit zu reiten.