1000 Intel-Manager stolpern über Effizienzproblem

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Der Chipkonzern Intel geht ungewöhnliche Wege, um effizienter zu werden. Während andere Konzerne die Arbeiter entlassen, setzt Intel die große Schere ganz oben an. Zunächst.

Weltweit sollen 1000 Manager entlassen werden, und das soll erst der Anfang sein. Die 1000 Kündigungen sind bereits in den Teppichetagen verteilt worden. Wie ein Sprecher bestätigte, seien die Posten einerseits überflüssig und andererseits zum echten Störfaktor geworden.

Paul Otellini, CEO bei Intel, führte an, er wolle die Effizienz steigern und die Kommunikation verbessern. Der Schritt sei wichtig, da er ein Kernproblem in der Unternehmensorganisation anspreche. Analysen der internen Arbeit hätten ergeben, dass die Firma unter zu langsamen und ineffektiven Entscheidungsprozessen leide. Eine Ursache dafür sei, dass zu viele Managementschichten in den Konzern eingezogen seien.

In einem Memo an die Angestellten schrieb Otellini, dass dies nicht der letzte Schritt dieser Art sein werde. “Sie können damit rechnen”, so der CEO an seine Mitarbeiter, “dass wir im Zuge abschließender Analysen und Investitionsentscheidungen, über Ausgabenprofile und die Organisationsstruktur, auch weiterhin Maßnahmen ergreifen werden, einschließlich begrenzter Reduktionen.” Über die vergangenen fünf Jahre bei Intel gerechnet, sei die Anzahl der Manager schneller geklettert als es die Zahl der Gesamtheit aller Mitarbeiter getan hatte. Darunter habe die Effizienz gelitten, das hatte jetzt ein Industrie-Benchmarking und besagte interne Untersuchung gezeigt. “Wir haben von oben aus gerechnet zu viele Managementschichten, um noch effektiv zu sein”, zitiert die Presse aus dem Memo.

Der Einschnitt soll zwei Funktionen erfüllen: Kosten sparen und die Entscheidungsprozesse und Kommunikation verbessern. Über die finanziellen Aspekte soll bei einer Quartalszahlenvorstellung nächsten Mittwoch mehr bekannt werden. Schließlich kosten die Manager auch je eine Abfindung, die als goldener Händedruck bezeichnet wird. Die Entlassungen werden in Zusammenhang mit eingestampften Produktlinien und dem Verkauf der Kommunikationschip-Sparte an Marvell vor wenigen Wochen in Verbindung gebracht.

Die Analysten diagnostizieren dem Konzern seit 2004 eine schleppende Umsatzentwicklung. Teilweise nutzte der Erzrivale AMD diese Situation aus, teilweise war die aggressive Vorgehensweise von AMD nur durch eine gewisse “Sattheit” bei Intel möglich, und teilweise begünstigte AMDs technische Führerschaft im Bereich der Dual-Kern-Prozessoren ein Zurückweichen von Intel. In diesem Punkt, was die Ursache und was die Wirkung im Chipmarkt war, sind sich die Analysten der Wall Street von Lehman Brothers bis Merrill Lynch nicht einig. Doch mit dem Schritt, die Schere anzusetzen, egal wo, zeigten sich alle einverstanden.

Wie das Wall Street Journal berichtet, schwant Tim Luke, einem Analysten bei Lehman Borthers, dass es noch mehr Entlassungen gibt: Er rechnet damit, dass die interne Prüfung der Firmenperformance noch weiterreichende Folgen haben werde. 10.000 Angestellte müssten seiner Einschätzung nach gehen. Die Kosteneinsparungen könnten Intel wieder auf Kurs bringen, vermutet er. Er rechnet mit der Kündigungswelle bis Ende August. John Lau, Analyst bei Jefferies & Co, sieht das genauso und begrüßte schon einmal einen weiteren Stellenabbau bis Jahresende.

Vorerst lobte Paul Otellini in seinem Memo an die Angestellten aber jeden einzelnen der weltweit 103.000 Mitarbeiter. Er schrieb, die Firma habe sich in den vergangenen 25 Jahren im PC-Geschäft hervorragend geschlagen. Nun seien aber Entscheidungen notwendig, um den Weg der Branche mitzugehen. Dafür sei ein härterer Wettbewerb und aggressives Pricing notwendig. Er wolle die Zeit nutzen, Intel so anzupassen, dass der Konzern weiterhin die Nummer Eins im Markt bleiben könne. Dies erfordere interne Reduktionen. Die Managerentlassung ist dabei die erste, die Intel seit Bestehen, also seit 38 Jahren durchführt.