Manipulierten IT-CEOs hundertfach Optionsscheine?

Management

Ex-CEO Greg Reyes und zwei weitere Manager des Speicherkonzerns Brocade sind beschuldigt worden, Aktionäre hinters Licht geführt zu haben.

Jetzt haben sie zivil- und auch strafrechtliche Klagen erhalten. Ersten Meldungen des Wall Street Journal zufolge soll sich der Skandal auf weitere Personenkreise bei Brocade ausweiten. Weitere IT-Konzerne müssen sich ähnlichen Verdacht gefallen lassen, sie beobachten den Fall akribisch.

Einstweilen werden Greg Reyes und die beiden Manager beschuldigt, sie hätten rückdatierte Aktienoptionen an Hunderte Angestellte ausgeteilt. Das falsche Datum habe den Wert der Scheine unrealistisch erhöht und Millionen Dollar an Ausgaben vor den Anteilseignern verborgen.

Auch wenn Reyes selbst sich nicht durch die Manipulationen bereichert haben soll, machte die Behörde Security and Exchange Commission (SEC), die mit der Anklageschrift betraut ist, unmissverständlich eines klar: Sie will solche Augenwischereien nicht dulden und sie, wenn sie vorkommen, hart bestrafen. Deshalb hatte sie auch den ehemaligen Chief Financial Officer Antonio Canova und Stephanie Jensen, eine Top-Managerin aus Brocades Personalabteilung, mit angeklagt.

Christopher Cox, Chairman der SEC, will es aber dabei nicht bewenden lassen – unabhängig vom Ausgang des anstehenden Verfahrens und unabhängig davon, ob Reyes die maximale Strafe, die in Kalifornien auf die Rückdatierung von Optionen steht (20 Jahre Gefängnis) antreten muss oder nicht. Die beiden Manager werden der bewussten Beihilfe und der Fälschung von Dokumenten in Vorbereitung der betrügerischen Aktion beschuldigt. Cox blickt weiter und untersucht akribisch in mehr als 80 Firmen dieselben Vorwürfe. Und auch dort steht nicht nur das Top Management in Verdacht, sondern auch die zweite und dritte Riege. Cox betonte, solcherlei Rückdatierungs-Manipulationen würden nicht geduldet, konsequent verfolgt und hart bestraft.

Reyes und andere Manager hatten in den Jahren 2000 bis 2004 Top-Talente vor allem mit Optionsscheinen angeworben. In der Dichte der kalifornischen IT-Firmenlandschaft des Silicon Valley waren Talente knapp und die Zusatzleistungen mit Optionsscheinen bei garantierten Werten galten als Mittel, um die besten Köpfe zu verpflichten – vor allem vor der IT-Wirtschaftskrise ab 2000/2001. Reyes soll die Optionsscheine allerdings auf die Werte datiert haben, die sie vor dem Einbruch der Brocade-Aktie ab dem 11. September 2001 gehabt hatten. Dies gilt unter Juristen als das Perfide an dem Fall Brocade, weil die Spanne zwischen Fakt und Fiktion hier besonders weit klaffte.